Papst auf Pilgerreise durch Portugal

Unterwegs als Fatima-Pilger und Missionar
Nicht die Kirche hat Fatima eingesetzt, Fatima selbst hat zur Kirche gefunden. Das hat Papst Benedikt XVI. gleich zu Beginn seiner Portugal-Reise auf dem Flughafen von Lissabon unterstrichen. In seiner Ansprache betonte er, dass er seinen Besuch vor allem als Fatima-Pilger angetreten habe.

„Die Jungfrau ist vom Himmel herab gekommen, um uns an die Wahrheit des Evangeliums zu erinnern, das für Humanität steht. Denn ohne die Liebe und die Hoffnung auf Rettung würde jede Quelle der Hoffnung versiegen. Diese Hoffnung ist nicht zuerst horizontaler, sondern ganz entschieden vertikaler und transzendentaler Natur. Die Beziehung zu Gott ist bestimmend für den Menschen, der von Gott geschaffen und auf ihn hingeordnet ist. Mit seinem Verstand sucht er die Wahrheit, in seinem Wollen strebt er nach dem Guten und von der ästhetischen Dimension des Schönen ist er angezogen. Je nach dem, wie sehr wir uns der Fülle des Lebens und der Weisheit öffnen, die Jesus Christus für uns ist, erweist sich unser Bewusstsein demnach als christlich.“

Die Trennung von Staat und Kirche vor 100 Jahren, hätte für die Kirche in Portugal nicht nur eine große Herausforderung bedeutet, sondern ihr auch neue Spielräume eröffnet.

„In einem pluralen System mit verschiedenen Wertvorstellungen und ethischen Ausrichtungen zu leben, bedeutet eine Reise zum Innersten der eigenen Identität und dem Kern des Christentums. So erstarkt wieder die Bedeutung des Glaubenszeugnisses und der Ruf der Mission, bis hin zur radikalsten Form im Martyrium.“ (rv)

Papst: „Die Feinde der Kirche sind im Inneren“
Die größte Verfolgung der Kirche kommt nicht von außerhalb, sondern „entsteht aus der Sünde innerhalb der Kirche“. Das sagte Papst Benedikt XVI. während seines Flugs nach Lissabon am Dienstag vor mitreisenden Journalisten. Dabei bezog er sich auf die Krise, die durch sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker ausgelöst wurde.

„Die Leiden der Kirche kommen gerade aus dem Innern. Die Sünde existiert im Innern der Kirche. Nötig ist deshalb die Bereitschaft zu Buße und Reinigung, aber auch zu einer juristischen Aufarbeitung und Vergebung. Man muss realistisch sein und anerkennen, dass es immer Attacken des Bösen geben wird; am Ende jedoch ist Christus aber stärker.“

Das sogenannte dritte Geheimnis von Fatima, in dem von Angriffen auf einen in Weiß gekleideten Bischof die Rede ist, habe sich in erster Linie auf Johannes Paul II. bezogen, erklärte Benedikt XVI.

„Die „Notwendigkeit des Leidens der Kirche ist aber für die ganze Kirche zu verstehen. Bezeichnend ist, dass Fatima auf diese Prophezeiung eine allgemeine Antwort gibt: den Aufruf zu dauernder Bekehrung, Buße und Gebet.“

In den Visionen der drei Seherkinder im Jahr 1917 gebe es einen „übernatürlichen Impuls“. Die Erscheinungen stammten nicht aus der Einbildungskraft der Seher, sondern kämen von der Gottesmutter Maria, betonte der Papst.

Wirtschaftspositivismus und Ethik
Im Blick auf die auch Portugal betreffende Wirtschafts- und Finanzkrise warnte der Papst vor einer nach seiner Auffassung falschen Trennung zwischen einem Wirtschaftspositivismus einerseits und Ethik andererseits. Die Krise zeige, „dass ein reiner ökonomischer Pragmatismus, der von der Wirklichkeit des Menschen als ethisches Wesen absieht, nicht gut ausgeht, sondern unlösbare Probleme schafft“. Ethik stehe nicht außerhalb von Vernunft und pragmatischem Handeln, sondern liege in deren Innerem, so der Papst. (rv/kipa)

Anlass der Reise ist der 10. Jahrestag der Seligsprechung von Jacinta und Francisco Marto, der Hirtenkinder von Fatima. Das internationale Medieninteresse an der Reise ist enorm, da der Papst auch die Themen der aktuellen Verschuldungs- und Finanzkrise, der Kirchenkrise und der Glaubenskrise ansprechen dürfte. Von der Verschuldungskrise ist Portugal neben Griechenland am meisten betroffen. Landesweit gibt es aktuell Proteste der linken Gewerkschaften gegen den in Kraft getretenen Lohn- und Einstellungstopp im aufgeblähten öffentlichen Sektor des Landes. Daher wird vielerorts ein deutliches Papstwort im Blick auf die Krise erwartet. Auch der Präsidentenamts-Minister in der Regierung, Pedro Silva Pereira, hatte dies erklärt und dabei an die Enzyklika „Caritas in Veritate“ (2009) erinnert. Nach der Ankunft am Dienstag um 11 Uhr in Lissabon und nach der Willkommenszeremonie im Jeronimos-Kloster absolvierte der Papst zuerst einen Höflichkeitsbesuch bei Staatspräsident Anibal Cavaco Silva im Palacio de Belem. Nach einer Pause war ein Gottesdienst mit mehreren Zehntausend Gläubigen am Terreiro do Paco geplant. (kap/rv)

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Published in: on 12. Mai 2010 at 21:10  Schreibe einen Kommentar  

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