Papst auf Pilgerreise in Portugal

Papst fliegt nach Fatima weiter
Papst Benedikt XVI. hat den ersten Teil seines viertägigen Portugalbesuchs beendet. Am Mittwochmittag traf er in der Nuntiatur von Lissabon mit Ministerpräsident Jose Socrates zusammen. Am Nachmittag flog er mit dem Hubschrauber nach Fatima, dem rund 120 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Hauptziel seiner 15. Auslandsreise.

Der Papst und der Premierminister
Über das Treffen mit Socrates sagte Vatikansprecher Federico Lombardi, dass der Papst und der Premierminister über die Rolle der Kirche in der portugiesischen Gesellschaft gesprochen haben. (kap/rv)

Papst Benedikt XVI. hat zu einem verstärkten Dialog der Kulturen aufgerufen. Das sagte er an diesem Mittwoch in Lissabon bei einem Treffen mit portugiesischen Kulturschaffenden. Benedikt XVI. traf Vertreter von sechs Religionsgemeinschaften und Kultur im Zentrum Belem in der portugiesischen Hauptstadt. Der Papst mahnte vor einer Vernachlässigung der Tradition. Dies könne vor allem zu einer Krise der Wahrheit führen, so der Papst.

„Es ist dramatisch für eine überwiegend katholisch geprägte Gesellschaft, wenn versucht wird, die Wahrheit jenseits von Jesus Christus zu suchen. Ein Volk, das nicht mehr um die rechte Wahrheit weiß, verliert sich in den Labyrinthen der Zeit und der Geschichte ohne verbindliche Werte und große Ziele.“

Zugleich warnte der Papst vor einer einseitigen Fixierung auf die Gegenwart. Es bestehe heute eine Spannung zwischen Tradition und Gegenwart, die bisweilen Formen eines Konfliktes annehme, erklärte Benedikt XVI.

„Eine ausschließliche Konzentration auf das Hier und Heute widerspricht jedoch einer großen kulturellen Tradition wie der des portugiesischen Volkes, die durch das Christentum und ein Bewusstsein für globale Verantwortung tief geprägt worden ist.“

Der Papst hob zugleich die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den Kulturen und Religionen hervor. Auch die Kirche entziehe sich nicht der Einsicht, dass ein aufrichtiges und respektvolles Gespräch in der heutigen Welt von größter Bedeutung sei, sagte der Papst.

„Die Kirche muss noch lernen, wie sie am ewigen Charakter der christlichen Wahrheit festhalten und zugleich den anderen Wahrheiten Respekt entgegenbringen kann. Ein solcher Dialog kann durchaus neue Türen für die Vermittlung der Wahrheit öffnen. Es genügt hierbei nicht, lediglich die Existenz einer anderen Kultur zu akzeptieren. Vielmehr gilt es, sich bereichern zu lassen von dem, was diese Kultur an Gutem, Wahrem und Schönem enthält.“ (rv/kna)


Papst Benedikt XVI. hat sich bei seiner ersten großen Messe in Portugal besorgt über einen Rückgang an Glaubenssubstanz geäußert. Benedikt XVI. rief zu einer christlichen Erneuerung auf. Man sorge sich oft mühevoll um die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen des Glaubens und setze dabei als selbstverständlich voraus, dass dieser Glauben auch vorhanden sei.

Ein nachdenklicher Papst und jubelnde Gläubige – Mit einem Regen aus Blütenblättern hat Portugal Benedikt XVI. bei seiner ersten großen Messe vor Ort begrüßt. Mehr als 100.000 Menschen hatten sich am Dienstagabend auf dem Terreiro do Paco in der Nähe des Flusses Tejo versammelt. Jubel und Sprechchöre schallten über den Platz. Es war eine sehr nachdenkliche Predigt, die der Papst am ersten Tag seiner 15. Apostolischen Reise hielt. „Man hat ein vielleicht zu großes Vertrauen in die kirchlichen Strukturen und Programme gelegt, in die Verteilung der Macht und der Aufgaben“, überlegte er auf Portugiesisch. Doch zunächst blickte er zurück in die Geschichte Portugals und erinnerte an die starke portugiesische Missionstätigkeit. In allen fünf Erdteilen gebe es Ortskirchen, die daher rührten.

„In der Vergangenheit hat euer Aufbruch auf der Suche nach anderen Völkern die Bande mit dem, was ihr gewesen seid und geglaubt habt, weder behindert noch zerstört. Im Gegenteil, in christlicher Weisheit ist es euch gelungen, Erfahrungen und Eigentümlichkeiten zu verpflanzen und euch zugleich – in scheinbarer Schwäche, die Stärke bedeutet – dem Beitrag der anderen zu öffnen, um ihr selbst zu sein. Heute nehmt ihr am Aufbau der Europäischen Gemeinschaft teil, und dazu tragt ihr mit eurer kulturellen und religiösen Identität bei.“ (rv)

Gleich nach dem Gottesdienst widmete Benedikt XVI. sich dem Wahrzeichen Lissabons. Dem „Cristo Rei“ – das Christkönigdenkmal am südlichen Ufer des Tejo. 28 Meter hoch ist die Statue, die auf einem 75 Meter hohen Sockel steht. Mit offenen Armen scheint Christus von dort aus Lissabons Besucher zu empfangen. Ein Wallfahrtsort und auch ein Aussichtspunkt, denn es gibt einen Aufzug, der hoch zu den Füßen der Christus-Statue führt. Seit 50 Jahren gibt es dieses Wahrzeichen in Lissabon, erinnerte Benedikt XVI.

„Von dort breitet das Bild Christi die Arme über ganz Portugal aus, um es gleichsam an das Kreuz zu erinnern, an dem Jesus den Frieden für die Welt errungen und sich als König und Knecht offenbart hat, da er der wahre Erlöser der Menschheit ist. In seiner Rolle als Heiligtum möge es immer mehr zu einem Ort werden, an dem jeder Gläubige prüfen kann, wie die Merkmale des Reiches Christi sein Leben aus der Taufe prägen, um das Reich der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens durch das gesellschaftliche Engagement zugunsten der Armen und der Unterdrückten aufzubauen und um die Spiritualität der christlichen Gemeinden auf Christus, den Herrn und Richter der Geschichte, auszurichten.“ (rv)

Portugals wichtigste Zeitungen haben Papst Benedikt XVI. mit ausführlicher Berichterstattung und Sonderbeilagen willkommen geheißen. Mehrere Blätter setzen dabei die Papstreise mit der Wirtschaftskrise und der schwierigen Lage Portugals in Beziehung. Die Zeitung „O Primeiro de Janeiro“ aus Porto äußert etwa die Erwartung, die Regierung werde „die Euphorie rund um den Besuch Benedikt XVI. und die Fußball-Meisterschaft von Benfica Lissabon nutzen, um Steuererhöhungen anzukündigen“. Die Wirtschaftszeitung „Jornal de Negocios“ erinnert daran, dass „Benedikt XVI. eine starke Rolle des Staates verteidigt“. Über die Situation der katholischen Kirche in Portugal selbst titelt die „Correio da Manha“: „Benedikt XVI will den Rückgang der Beichtzahlen aufhalten“. Die Zeitung „24 horas“ verweist darauf, dass die Vulkanasche aus Island auch den Papstbesuch behindert. So habe die Schließung des Flughafens von Funchal auf der Atlantikinsel Madeira dazu geführt, dass die „Jungfrauenstatue, die den Papst begleiten sollte, in Funchal zurückbleibt“. (kna)

Advertisements
Published in: on 12. Mai 2010 at 21:37  Schreibe einen Kommentar  

The URI to TrackBack this entry is: https://kirchennews.wordpress.com/2010/05/12/papst-auf-pilgerreise-in-portugal/trackback/

RSS feed for comments on this post.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: