2. Ökumenischer Kirchentag in München

Bischof Ackermann kritisiert Missbrauchsdebatten beim ÖKT
Mit engagierter Beteiligung des Publikums wurde beim 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München über die Ursachen und Folgen von Missbrauch diskutiert. Bischof Stephan Ackermann zeigte sich „sehr erschrocken“ über den verengten Blick der auf dem ÖKT geführten Missbrauchdiskussion. Seiner Meinung nach seien die Debatten zum Thema zu sehr auf die Kritik an der Institution Kirche konzentriert. Die Opfer gingen stattdessen aus dem Blick verloren, so Ackermann.

Die deutschen Bischöfe wollen die Opferarbeit stärker bedenken. Die Oberhirten arbeiten mit Hochdruck an neuen Leitlinien, die bis zur Herbstvollversammlung überarbeitet werden sollen. Die Podiumsdiskussion am Freitagvormittag war aufgrund des großen Andrangs trotz der größten Messehalle, die man gewählt hatte schon eine Stunde vor Beginn überfüllt. Es wurde kritisiert, dass kein Opfer offiziell vertreten wurde.

„Den Vorwurf gab es bereits beim Runden Tisch. Hier bei der Podiumsdiskussion ist das Präsidium des Ökumenischen Kirchentages zuständig. Ich will nochmals betonen, dass wir beim Runden Tisch Experten eingeladen. Das sind Leute, die jahrzehntelang mit Opfern arbeiten. Sie bringen die Perspektive der Opfer ein. Daher ist so, auch wenn die Opfer nicht am Tisch sitzen, sie doch dabei sind.“

Wenige Momente nach Redebeginn unterbrach ein Zuhörer am Freitag vor der Bühne den Leiter des Berliner Jesuitenkollegs, Pater Klaus Mertes. Mit Rufen wie „Geben Sie uns eine Stimme“ und „Lügentheater“ drängte der als Missbrauchsopfer bekannte Norbert Denef darauf, dass Opfer selber zu Wort kommen sollten. Er forderte den Abbruch der Veranstaltung. Denef ist Sprecher des Netzwerks von sexualisierter Gewalt Betroffener. Nach einem Disput und einer Intervention der Moderatorin setzte Mertes seinen Beitrag fort. „Sie haben vollkommen recht: Nicht ich habe das Schweigen gebrochen, sondern die Opfer haben das Schweigen gebrochen“, sagte der Jesuit an die Adresse des Störers. Die Szenerie am Fuß der Bühne wurde von zahlreichen Kamerateams umlagert. (kipa/rv/zenit)

„Konfessionsgemischte Ehen zur Kommunion zulassen“
Eine Zulassung auch von nicht-katholischen Partnern in konfessionsgemischten Ehen zur Kommunion hat der pensionierte Münchner Dogmatiker Peter Neuner gefordert. „Durch eine christlich gelebte konfessionsverschiedene Ehe kommen beide Eheleute jeweils in eine geistliche Gemeinschaft mit der Kirche ihres Partners, die den Ausschluss vom Herrenmahl als nicht mehr gerechtfertigt erscheinen lässt“, sagte Neuner am Freitag beim Ökumenischen Kirchentag in München. Weiter meinte der Theologe, universelle Verbote könnten der Situation des Einzelnen nicht in allen Fällen gerecht werden. Was für die Kirchen als ganze nicht erlaubt sei, müsse keineswegs auch für jeden Einzelfall ausgeschlossen sein. „Innerhalb des Grundfehlers Kirchentrennung kann es keine richtige und in sich widerspruchsfreie Antwort auf alle Einzelfragen geben“, so Neuner. – Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, wertete unterdessen die Argumentation Neuners als „innerlich schlüssig“. Die Deutsche Bischofskonferenz müsse „in diese Richtung weiterdenken“, erklärte Fürst. Dies werde aber nicht schon „morgen zum Ziel führen“. (kipa)

Friedrich wirbt für Kompromiss zum gemeinsamen Abendmahl
Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sieht die theologische Debatte zwischen Protestanten und Katholiken um das Abendmahl als beendet an. Das Thema sei erschöpfend von Fachleuten beider Seiten behandelt worden, sagte Friedrich am Freitag beim Ökumenischen Kirchentag in München. Klärungsbedarf gebe es keinen mehr, es fehlten nur die Taten. Friedrich, der bayerischer Landesbischof ist, warb für einen Kompromiss. Evangelische und katholische Kirche sollten eine Vereinbarung über die gegenseitige Einladung zur Feier der Eucharistie schließen, wie sie seit 25 Jahren zwischen evangelischer und alt-katholischer Kirche in Kraft sei. Ein solcher Schritt könne vor allem „das Leid der Menschen in konfessionsverschiedener Lebensgemeinschaft“ aufheben, so Friedrich. – Die unterschiedlichen Auffassungen in der Abendmahlslehre zählen zu den wichtigsten theologischen Differenzen zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Nach katholischem Verständnis ist Jesus Christus real in den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig, die dabei ihre „Substanz“ ändern. In den reformatorischen Kirchen liegen die Akzente stärker auf Bekenntnis und Gedächtnis. (kna)

Lammert bezeichnet Apostel Paulus als guter Generalsekretär
Der Völkerapostel Paulus wäre nach Einschätzung von Bundestagspräsident Norbert Lammert ein guter Generalsekretär einer Partei gewesen. Paulus habe auch komplizierteste Sachverhalte in großer Schärfe gegeneinandergestellt, sagte Lammert am Freitag beim 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München. Dort legte der CDU-Politiker den Römerbrief des Apostels aus. Der Text sei eine Ermunterung in Krisenzeiten – damals wie heute. Die heutige Welt sei ebenso unvollkommen wie die damalige, sagte Lammert. Er verwies unter anderem auf Kriege, Vertreibung, Hunger, Elend, Arbeitslosigkeit, Misshandlungen und Folter. Krisen in Gesellschaft und Kirche bezeichnete der Bundestagspräsident auch als Chance. (rv/pm)

Lehmann beklagt neuerliche „Irritationen“
Eine „neuerliche leichte Trübung“ im evangelisch-katholischen Verhältnis sieht der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München sagte er am Freitag, dass die Bevorzugung der Luther-Bibelübersetzung durch die evangelische Kirche sowie die vatikanische Erklärung zum katholischen Kirchenverständnis „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000 seine Einschätzung bestätigen würden. Durch den erweiterten Gebrauch der vorkonziliaren Liturgie in der katholischen Kirche und der damit verbundenen Neufassung der Karfreitagsfürbitte für die Juden seien weitere Irritationen entstanden, so Lehmann. Nichtsdestotrotz hätten die Kirchen in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren „beträchtliche Fortschritte“ erzielt. Als Beispiele nannte er Stellungnahmen zu den Themen Migration, Medien und bioethischen Fragen. (pm/kap/kna)

Maradiaga kritisiert Profitgier in Lateinamerika
Die Staaten Lateinamerikas brauchen nach Ansicht des honduranischen Kardinals Oscar Rodriguez Maradiaga neue Integrationsideen und ein anderes politisches Führungspersonal, um Frieden und Gerechtigkeit zu erreichen. Am Rande des ÖKT in München sagte der Kardinal am Donnerstagabend, die derzeitige politische Klasse in Lateinamerika wolle regieren, um sich zu bereichern. Ziele wie Gemeinwohl oder Gerechtigkeit seien ihnen gleichgültig. Er beklagte, dass etwa die Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI., „Caritas in veritate“, kaum rezipiert worden sei. Mit Blick auf Europa beklagte der Kardinal, die EU beachte Lateinamerika zu wenig. Der Subkontinent werde wieder als Vorgarten oder Hinterhof der USA gesehen. Aber in der Politik sei es wie im Fußball: Wer keine Tore erziele, fange sich Tore ein, und wer ein politisches Feld anderen überlasse, dem werde von dort die Politik diktiert. (pm/kna)

Interreligiöses Gebet
Können unterschiedliche Religionen gemeinsam beten? Ja, und sie sollen sogar, denn gemeinsames Beten macht gemeinsames Reden möglich. Darauf hat der Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Chidi Denis Isizoh, auf dem Kirchentag in München verwiesen. Der Nigerianer hielt am Donnerstagabend einen Vortrag zum Thema „Multireligiöses Gebet – theologische und pastorale Chancen“. Unser Korrespondentin Antje Dechert hat danach mit ihm gesprochen:

„Gebet ist die Affirmation des Glaubens – wenn also Gläubige unterschiedlicher Religionen zusammenkommen, ist die Frage: Zu welchem Gott beten wir? Und für was beten wir? Das zweite Problem: Religiöse Sprachen und religiöse Symbole sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Bedeutungen. Papst Johannes Paul II. hat uns in Assisi gezeigt, wie es gehen kann: Menschen verschiedener Religionen kommen zusammen und beten gemeinsam, zwar in jeweils eigener Form und zum jeweils eigenen Gott, aber gemeinsam. Interreligiöser Dialog ist ohne ein gemeinsames Gebt nicht möglich.“ (rv)

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