Missbrauchsfälle im Jesuitenorden

Papst Benedikt XVI. hat die Bischöfe Italiens zu einem offenen Umgang mit dem Missbrauchsskandal aufgefordert. „Der Wille zu einem neuen Zeitalter der Evangelisierung verbirgt nicht die Wunden, von denen die Kirche aufgrund der Schwäche und Sünde einiger Mitglieder gezeichnet ist“, sagte er am Donnerstag vor der Italienischen Bischofskonferenz im Vatikan. Dieses „demütige und schmerzhafte Eingeständnis“ dürfe jedoch nicht den Einsatz zahlreicher Gläubigen und Priester vergessen lassen. Auch in Italien gebe es Anzeichen für eine „kulturelle Krise“. Als Beispiele nannte er eine Verunsicherung über moralische Werte sowie die Schwierigkeiten vieler Erwachsener, ihren Verpflichtungen in der Erziehung nachzukommen. Diese kulturelle Krise sei „ebenso ernst wie die wirtschaftliche“. Angesichts der Gefahr, dass große Traditionen zum toten Buchstaben würden, müsse die Kirche ihre Bemühungen um christliche Bildung und Erziehung verstärken. Dabei spiele die Familie eine unverzichtbare Rolle. Die Italienische Bischofkonferenz hält von Montag bis Freitag ihre Frühjahrsvollversammlung im Vatikan ab. Zugleich würdigte der Papst die verstärkten Bemühungen der italienischen Bischöfe um Bildung und Erziehung. (rv/kna)

Ursula Raue

Am letzten Donnerstagmittag hat die Missbrauchsbeauftragte Ursula Raue ihren Abschlussbericht ihrer Untersuchungen vorgestellt. In München trat die im Februar vom Jesuitenorden eingesetzte Berliner Rechtsanwältin mit den Ergebnissen ihrer unabhängigen Untersuchung zum Missbrauch im Orden vor die Journalisten:

„Bis vorgestern haben sich bei mir 205 Leute gemeldet. Dabei kamen ganz unterschiedliche Vorwürfe zur Sprache. Von Aussagen wie „ich weiß, dass es anderen geschehen ist“ bis hin zu „ich muss Ihnen jetzt einfach sagen, wie schlimm das für mich selber war“, gibt es die ganze Bandbreite. Teilweise haben sich auch Geschwister von Opfern gemeldet, die sich selbst nicht gemeldet haben, und mitgeteilt, was sie wussten. Da war also alles drunter.“

Verdächtigt werden 46 Patres, weltliche Lehrer und Erzieher des Ordens, gab die Missbrauchsbeauftragte an. Neben den Übergriffen an Jesuiten-Einrichtungen seien ihr fünfzig weitere, meist an katholischen Einrichtungen geschehene Übergriffe gemeldet worden, so Raue weiter. Als Orte des Missbrauchs nannte Raue neben dem Canisius-Kolleg in Berlin das Kolleg Sankt Blasien, das Aloisiuskolleg in Bad Godesberg, die Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg, ein ehemaliges Kolleg im westfälischen Büren sowie Jugendeinrichtungen in Hannover und Göttingen. Wichtig sei nun vor allem, dass ihre Arbeit Konsequenzen hat, betonte Raue:

„Es müssen Supervisionen in die Schulen eingebaut werden, damit man sexuelle Übergriffe schneller als solche bemerkt. Es ist innerhalb des Ordens besser und offener mit Sexualität umzugehen. Es muss einfach eine gute und faire Kommunikation her. An der hat es, das hat meine Untersuchung an vielen Stellen ergeben, oft gehapert.“ (rv)

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Published in: on 28. Mai 2010 at 22:41  Schreibe einen Kommentar  

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