Papstbesuch in Zypern

Benedikt XVI. ist auf Zypern: Am Freitagmittag traf er auf der geteilten Insel ein. Er will hier das Grundlagen-Papier für die Nahostsynode der Bischöfe vorstellen – sie findet im Oktober in Rom statt. Gleich nach seiner Ankunft traf sich der Papst mit dem orthodoxen Kirchenoberhaupt Chrysostomos II. zu einem ökumenischen Gebetsgottesdienst. Dabei erinnerte er an den Beginn der ökumenischen Bewegung vor genau hundert Jahren. Ein Besuch im türkisch besetzten Nordteil der Insel ist nicht vorgesehen. Überschattet wird die Visite Benedikts vom Mord an Bischof Luigi Padovese, dem Vorsitzenden der türkischen Bischofskonferenz. Padovese hatte Benedikt eigentlich auf Zypern treffen wollen. Auch die israelische Militäraktion vor Gaza wirft einen Schatten auf die Papstreise. (rv)

Begrüßungszeremonie: „Freut euch – der Friede sei mit euch“
Um 14 Uhr Ortszeit ist der Papst in der „Republik Zypern“ gelandet – in dem griechischen Teil der Insel also, der seit 2004 zur EU gehört. Auf dem Flughafen des Hafenstädtchens Paphos an der Westküste begrüßte ihn Präsident Demetris Christofias. Seine ersten Worte auf Zypern sprach der Gast aus Rom in griechischer Sprache: „Freut euch – der Friede sei mit euch!“

Zypern liege „an einer Kreuzung von Kulturen und Religionen und von alten epischen Geschichten“, so der Papst. Er hoffe, dass die EU-Mitgliedschaft der Republik zu Wohlstand führe – „und dass auch andere europäische Länder aus eurem reichen Erbe schöpfen, das geistlich wie kulturell ist. Es spiegelt eure historische Rolle zwischen Europa, Asien und Afrika wider.“

„Mögen eure Liebe zur Heimat und zu euren Familien und euer Wille, mit den Nachbarn in Frieden zu leben, euch bei den geduldigen Versuchen leiten, um die ungelösten Probleme zu lösen, die die Zukunft eurer Insel betreffen!“

Er komme als Pilger, so der Papst weiter, und grüße die orthodoxe Mehrheitskirche der Insel „als ein Bruder im Glauben“. Zypern sei „der richtige Ort“, um die Nahost-Bischofssynode vom nächsten Herbst vorzubereiten: Die Kirche wolle nachdenken über ihre langjährige Verwurzelung in der Region.

„Wir wollen unsere Solidarität mit allen Christen in der Region ausdrücken – und unsere Überzeugung, dass sie eine unersetzliche Rolle für den Frieden und die Versöhnung aller hier lebenden Völker haben… Gott segne das Volk von Zypern!“ (rv)

„Gemeinsam um die Einheit bitten“: Ökumenischer Gottesdienst auf den Spuren des Apostels Paulus
Erstes Reiseziel des Papstes auf Zypern: Die Kirche Hagia Kiriaki Chrysopolitissa – ein orthodoxes Gotteshaus, das aber auch Anglikanern und Katholiken offen steht. Es liegt in der Nähe der Ausgrabungen einer frühchristlichen Basilika aus dem vierten Jahrhundert. Hier, am Schauplatz der ersten Missionsreise des heiligen Paulus, feierte Benedikt XVI. einen ökumenischen Gottesdienst zusammen mit dem orthodoxen Erzbischof Chrysostomos II. Für diesen Papst ist es die erste Visite in einem Land mit orthodoxer Bevölkerungsmehrheit; eine breite Mehrheit der Zyprioten freut sich über den Besuch. Allerdings war aus der zweiten Reihe der orthodoxen Bischöfe auch ein gewisses Grummeln zu vernehmen – ein Hinweis darauf, dass die Ökumene eine bleibende Aufgabe ist. Genau das sprach der Papst denn auch in seiner Rede an:

„Die Einheit aller Jünger Christi ist ein Geschenk, um das wir beim Vater bitten müssen – in der Hoffnung, dass dadurch das Zeugnis des Evangeliums in der Welt von heute gestärkt wird. Der Herr selbst hat ja für die Heiligkeit und Einheit seiner Jünger gebetet, ‚damit die Welt glaube‛. Vor genau hundert Jahren ist von einer Konferenz in Edinburgh die moderne ökumenische Bewegung ausgegangen. Heute können wir dem Herrn dafür danken, dass er uns – vor allem in den letzten Jahrzehnten – das reiche apostolische Erbe neu entdecken ließ, das Ost und West gemeinsam haben.“

Erzbischof Chrysostomos klagte gegenüber dem Gast aus Rom über den Angriff der Türkei; sie habe 1974 mit Waffengewalt 37% des zypriotischen Bodens erobert. Die so genannte kultivierte Menschheit sehe tatenlos zu, wie die Türkei versuche, auf die Dauer ganz Zypern unter seine Kontrolle zu bringen. Der Kirchenmann sprach von einer Art „ethnischer Säuberung“, von Vertreibung der orthodoxen Christen, von der Neubesiedlung ihres früheren Lands durch Siedler aus Anatolien. (rv)

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Published in: on 5. Juni 2010 at 14:08  Schreibe einen Kommentar  

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