Ende der „Causa Mixa“

Der Rücktritt des Bischofs werde nun endgültig nicht mehr in Frage gestellt, gaben die Bistumsleitung von Augsburg und Bischof emeritus Walter Mixa in einer gemeinsamen Erklärung von diesem Mittwoch an. Man habe sich in einem Gespräch an diesem Dienstag geeinigt, hieß es weiter. An dem Gespräch nahmen neben Mixa und dem Diözesanadministrator, Weihbischof Josef Grünwald, auch die Anwälte der beiden Parteien und weitere Vertreter der Bistumsleitung teil. In einer Fünf-Punkte-Erklärung stellen alle Beteiligten fest, dass Bischof emeritus Mixa aus der Bischofswohnung in Augsburg ausziehe und die Diözese ihm eine geeignete Wohnung suchen werde. Daran würden sich die bayerischen Bischöfe beteiligen. Bei seinem bevorstehenden Gespräch mit Papst Benedikt XVI. werde Mixa seinen Rücktritt und dessen Umstände nicht zum Thema machen. Punkt vier der Erklärung hält fest, dass Mixa „für den Druck, den er bei der Unterzeichnung seines Rücktritts empfunden hat“, niemanden verantwortlich und niemandem Vorwürfe mache. (pm)

Gemeinsame Fünf-Punkte-Erklärung zwischen Bistumsleitung und Bischof em. Mixa:

1. Bischof em. Dr. Mixa verlässt die Wohnung im Bischofshaus.

2. Die Diözese wird, um einer endgültigen Entscheidung des Nachfolgers im Bischofsamt nicht vorzugreifen, eine vorübergehende Wohnung für Bischof em. Dr. Mixa suchen. Eine Abstimmung mit den bayerischen Bischöfen gemäß deren Erklärung vom heutigen Tag wird gesucht.

3. Der Einladung des Heiligen Vaters zu einem Gespräch in Rom will Bischof em. Dr. Mixa gerne nachkommen; sein Rücktritt und dessen Umstände werden hierbei nicht in Frage gestellt.

4. Für den Druck, den er bei Unterzeichnung seines Rücktritts empfunden hat, macht Bischof em. Dr. Mixa niemand verantwortlich und niemandem Vorwürfe.

5. Bischof em. Dr. Mixa will sich in einem persönlichen Schreiben an die Gläubigen der Diözese Augsburg wenden.

Mit Datum vom vergangenen Mittwoch hat das Bistum Augsburg auch einen Brief des emeritierten Bischofs Walter Mixa vorgelegt. In diesem Brief bittet er um Versöhnung und um neuen Zusammenhalt der Gläubigen in der Diözese Augsburg:

Dr. Walter Mixa
Bischof emeritus von Augsburg, 23. Juni 2010

Bitte um Versöhnung und neuen Zusammenhalt der Gläubigen in der Diözese Augsburg des emeritierten Katholischen Diözesan- und Militärbischofs Dr. Walter Mixa

Während der vergangenen Monate ist sehr viel in den Medien über die Verhältnisse in der Diözese Augsburg, auch über meine Person, geschrieben und gesagt worden. In vielfältiger Hinsicht waren die Berichte in dieser oder jener Richtung tendenziös. Über diese vergangenen Berichte will ich jetzt nicht sprechen, da sie weitgehend bekannt sind. Mir geht es mit meinem jetzigen Zeugnis nicht nur um eine Klarstellung, sondern darum, auch eine Versöhnung zu erbitten und alle dazu einzuladen.

14 Jahre lang bin ich sehr gern Diözesanbischof sowohl in Eichstätt als auch in Augsburg gewesen und habe meine bischöflichen Dienste mit großer Bereitschaft und Liebe getan. Ebenso war ich in der Militärseelsorge mit unseren Soldaten in den verschiedenen Situationen immer gut verbunden und habe versucht, ihre Sorgen und Anliegen mitzutragen und auch den nötigen Trost zu geben.

Wie allgemein bekannt, bin ich durch die widrigen Umstände, die sich wegen der Mißhandlungsfälle in verschiedenen Internaten und Häusern ergeben haben, auch ins Gespräch gekommen. 20 Jahre hatte ich als Stadtpfarrer von Schrobenhausen eine Mitverantwortung für das dortige Kinder- und Jugendheim.

In den vielen Jahren meines Dienstes habe ich immer versucht, den richtigen Weg einzuschlagen und mich bemüht, die Erwartungen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu erfüllen. Ich will keineswegs verschweigen, dass mir nicht immer alle diese Vorsätze in der rechten Weise gelungen sind. Ich habe sicher auch viele Fehler gemacht, obwohl ich niemanden in irgendeiner Weise verletzen oder beschädigen wollte. Es soll aber nicht irgendeine Beschönigung ausgesprochen werden, sondern ich bitte nicht nur um Entschuldigung, sondern vor allem um Verzeihung für alles, was ich nicht recht gemacht habe und vor allen Dingen um Verzeihung bei all den Menschen, die ich nicht in der rechten Weise behandelt habe, deren Erwartungen ich nicht erfüllt habe und die ich enttäuscht habe. Dies tut mir von ganzem Herzen leid. Ein großer Trost ist für mich, daß in der Botschaft Jesu immer wieder die Rede ist von der Barmherzigkeit, die Gott uns in der Liebe Jesu schenkt. Damit will ich sagen: ich bin in vieler Hinsicht schuldig geworden und bitte alle, die ich enttäuscht habe, nochmals nicht nur um Verständnis, sondern auch um Verzeihung.

Wegen der sich zusammenbrauenden Berichte in der unterschiedlichsten Weise sah ich mich in einer sehr schmerzlichen Situation veranlaßt, sehr schweren Herzens dem Papst meinen bischöflichen Dienst anzubieten, die sogenannte Resignation auf das Amt des Diözesanbischofs auszusprechen.

Für mich ist es jetzt von einer ganz großen Bedeutung, daß in unserer Diözese gegenseitige Streitereien und gegenseitige schwerwiegende Vorwürfe abgebaut werden und daß wir alle zu einem guten Einverständnis und zum Frieden in der Gemeinschaft der Kirche finden.
Der Heilige Vater hat mir in seinem sehr liebevollen Brief geschrieben, daß ich nach meinem Rücktritt von meinem Bischofsamt in Augsburg immer Bischof bleibe und daß ich die geistlichen Dienste wie die Feier der Eucharistie, die Spendung der Sakramente, auch der Firmung, wahrnehmen sollte und in unterschiedlicher Weise auch geistlich für viele Menschen da sein kann.

Gleichzeitig sage ich allen unseren Priestern, Diakonen, hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre verantwortungsvollen Dienste ein aufrichtiges Vergelt´s Gott!

Wichtig ist für mich jetzt vor allen Dingen, daß wir uns alle durch Taufe und Firmung als Gemeinschaft innerhalb der katholischen Kirche verstehen, daß wir füreinander eintreten, aber auch füreinander beten und besonders auch mit Überzeugung die Eucharistie als Zeichen der Einheit feiern. Mit diesem Wunsch bitte ich alle in der Diözese nochmals um Verzeihung für das, was ich nicht richtig gemacht habe und bitte gleichzeitig um die Bereitschaft zur gegenseitigen Versöhnung und auch wieder zu gegenseitigem Vertrauen. Das ist mein ganz großer Wunsch, und ich hoffe und bete darum, daß uns dies in der kommenden Zeit mit dem Segen Gottes, mit der Fürsprache der Gottesmutter, nicht zuletzt auch durch das Beispiel der Heiligen gelingen möge.

Mit ganz herzlichen Versöhnungs- und Segensbitten bin ich
+ Walter Mixa

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Published in: on 25. Juni 2010 at 13:53  Schreibe einen Kommentar  

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