„Verbum Domini“ – Bibel als Quelle kirchlicher Erneuerung

Das göttliche Wort ist „Quelle ständiger Erneuerung“; deshalb müssen wir uns im kirchlichen Leben wieder auf die zentrale Rolle der Heiligen Schrift besinnen. Das ist die Botschaft eines Päpstlichen Schreibens zur Bibel, das im Vatikan veröffentlicht wurde. Benedikt XVI. verfasste es auf Grundlage der Ergebnisse einer Bischofssynode, die im Jahr 2008 zum „Buch der Bücher“ veranstaltet wurde. Das so genannte nachsynodale Schreiben mit dem Titel „Verbum Domini“ widmet sich wichtigen Fragen rund um die Heilige Schrift wie zum Beispiel dem Bereich der Exegese. Auch Fragen des interkonfessionellen und interreligiösen Dialoges nehmen im Päpstlichen Schreiben einen großen Raum ein. (rv)

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Published in: on 23. November 2010 at 10:47  Schreibe einen Kommentar  

Rückblick Bischofssynode

Seligkeit Patriarch Antonios Naguib, Alexandria

Der koptisch-katholische Patriarch Antonios Naguib weist die Vorwürfe zurück, die Nahostsynode sei anti-israelisch gestimmt gewesen. Die Synode habe hingegen deutlich gemacht, dass sowohl die Rechte der Israelis, wie auch die der Palästinenser auf ein gesichertes Leben in ihren Gebieten gewahrt werden müssten, so Naguib gegenüber der italienischen Zeitung „Il Giornale“. Sowohl die letzten Päpste als auch die Synode hätten mit Deutlichkeit „den Gebrauch des Namen Gottes zur Rechtfertigung von Hass und fundamentalistischen Terrorismus verurteilt“, fügte der Patriarch an. Weiter verteidigte Naguib den Synoden-Beitrag des libanesischen Bischof Raboula Antoine Beylouni, da dieser trotz seiner islam-kritischen Aussagen den Dialog mit dem Islam für unverzichtbar erachte. (kipa/giornale)

 

Published in: on 27. Oktober 2010 at 09:04  Schreibe einen Kommentar  

Nächste Bischofssynode findet 2012 statt

Papst Benedikt XVI. hat das Thema der Neuevangelisierung zum Thema der nächsten Generalversammlung der Bischofssynode bestimmt. Sie soll 2012 stattfinden. Während seiner Predigt bei der Abschlussmesse zur diesjährigen Versammlung sagte der Papst:

„Während der Arbeiten der Versammlung wurde häufig die Notwendigkeit unterstrichen, das Evangelium denen zu verkünden, die es wenig kennen, oder die sich geradewegs von der Kirche entfernt haben. Oft wurde der dringende Bedarf nach einer erneuerten Evangelisation auch für den Nahen Osten benannt. Dies ist ein weites Thema, vor allem in den Ländern der ersten Christianisierung. Die jüngst erfolgte Gründung des päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung antwortet unter anderem auf dieses Bedürfnis. Deswegen, nachdem ich durch den Episkopat der ganzen Welt beraten wurde und nachdem ich den der Rat der Generalsynode der Bischöfe gehört habe, habe ich entschieden, die nächste allgemeine Versammlung der Bischofssynode 2012 unter das Thema „Die neue Evangelisierung zur Weitergabe des Christlichen Glaubens“ zu stellen.“

Ob es eine Sonderversammlung der Bischofssynode wie der in diesem Jahr zum Nahen Osten oder der im vergangenen Jahr zu Afrika auch 2011 geben wird, sagte der Papst nichts. (rv)

Published in: on 24. Oktober 2010 at 18:10  Schreibe einen Kommentar  

Synode erstellte 44 Propositiones

44 Vorschläge zur Stärkung der katholischen Kirche in Nahost haben die Synodenväter am Samstag als Ergebnis ihrer zweiwöchigen Beratungen an Papst Benedikt überreicht. Das Papier dient dem Papst als Grundlage für das Verfassen des offiziellen Schlussdokuments der Nahost-Bischofssynode, das in mehreren Monaten erscheinen wird.

„Schaut auf diese Region“

Die Synodenväter empfehlen, in der ganzen Welt auf die dramatische Lage bestimmter christlicher Gemeinschaften des Nahen Ostens hinzuweisen, die „bis hin zum Martyrium“ reicht. Nationale und internationale Instanzen seien dazu aufgerufen, diese Situation zu beenden.

Migration: Auswanderung

In mehreren Punkten widmet sich das Papier dem Phänomen der Migration, und zwar sowohl unter dem Aspekt der Auswanderung als auch der Einwanderung. Um die Präsenz von Christen im Nahen Osten zu stärken, ermahnen die Synodenväter die Gläubigen konkret dazu, ihre Grundstücke und Häuser nicht an Fremde zu veräußern, wenn sie wegziehen. Im Gegenteil sollten Projekte ins Leben gerufen werden, die es den Eigentümern erlaubten, in ihrer Heimat ein würdiges Leben zu führen. Gleichzeitig regen die Synodenväter die Gründung einer Kommission an, die das Phänomen der Abwanderung von Christen in den Blick nimmt und Vorschläge erarbeitet, sie zu stoppen. Die Kirchen jener Länder, die christliche Emigranten aus dem Nahen Osten aufnehmen, sollten die Traditionen der Ostkirchen kennen und respektieren.

Migration: Einwanderung

Im Punkt 14 ihrer Vorschläge sprechen die Synodenväter von den Einwanderern in die Länder des Nahen Ostens. Sie bitten die katholischen Einrichtungen, speziell die Caritas, aber auch die Politiker darum, die grundlegenden Rechte von Einwanderern, gleich welcher Nationalität oder Religion, zu respektieren. Punkt 19 befasst sich mit der Lage der Katholiken in den Golfstaaten. Auch hier regen die Synodenväter die Gründung einer Kommission an, die sich mit den christlichen Gemeinden in den betreffenden Ländern mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit befasst und dem Heiligen Stuhl Wege zur besseren seelsorgerlichen Betreuung dieser Menschen aufzeigt. Überdies wäre es sinnvoll, so eine Randbemerkung der Synodenväter, wenn die römische Kurie ihre Dokumente auch in arabischer Sprache anböte: Dann hätten die Christen arabischer Kultur einen leichteren Zugriff auf die Informationen aus Rom.

Mehr verheiratete Priester

Im Abschnitt über das Verhältnis zwischen Bischöfen, Priestern und Gläubigen schlagen die Synodenväter dem Papst vor, über verheiratete Priester nachzudenken. Zwar werde der Zölibat überall in der katholischen Kirche geschätzt. Dennoch sei es wünschenswert, mit Blick auf die Betreuung der Gläubigen, „wohin immer sie gehen“, und um die östliche Tradition zu respektieren, mehr Einsatzmöglichkeiten für verheiratete Priester zu prüfen. Diese dürfen bisher nur auf dem Territorium ihres Patriarchats tätig sein. Zudem regen die Synodalen an, Laien bei der Teilhabe an der Verantwortung der Kirche mehr zu berücksichtigen. Jugendlichen wollen sie in Zukunft mehr zuhören und ihnen eine bessere spirituelle Ausbildung bieten, auch damit sie sich daran machen können, „die Mauern der Trennung in der Gesellschaft einzureißen“.

Ökumene auf Arabisch

In Fragen der Ökumene sollten die verschiedenen Kirchen im Nahen Osten ihre Anstrengungen zur Einheit vertiefen, wünschen sich die Synodenväter. Sie sprechen sich für eine einheitliche arabische Übersetzung des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses aus. Weiters sollten sich die Kirchen endlich auf ein gemeinsames Datum für das Weihnachts- und das Osterfest einigen.

Nein zu Antisemitismus

Dem Dialog mit Judentum und Islam widmen sich drei der 44 Vorschläge. Die Christen im Nahen Osten sind zunächst zu einer „Reinigung der Erinnerung“ aufgerufen, ein Ausdruck, der zweimal im Dokument vorkommt. So sollen die Christen am gegenseitigen Verzeihen vergangener Episoden arbeiten und nach Wegen für eine bessere gemeinsame Zukunft suchen. Trotz aller Schwierigkeiten sollen sie am Aufbau einer „neuen Gesellschaft“ mitwirken, „in der religiöser Pluralismus respektiert ist und Fanatismus sowie Extremismus ausgeschlossen sind“. Konkret wünschen sich die Synodenväter eine stärkere Zusammenarbeit mit Juden, um „menschliche und religiöse Werte, Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Brüderlichkeit» zu fördern. Klar verurteilt das Dokument der Synodalen Antisemitismus und Antijudaismus; es weist darauf hin, dass Religion und Politik voneinander zu unterscheiden sind.

Nein zu Extremismus

Im Dialog mit den Muslimen sei es entscheidend, die Würde der menschlichen Person zu betonen, die Gleichheit der Rechte und Pflichten sowie die Religionsfreiheit, inklusive der Kult- und Gewissensfreiheit. Die Christen im Nahen Osten sollten sich von negativen Vorurteilen bezüglich der Muslime verabschieden und gemeinsam mit ihnen Fundamentalismus und Gewalt im Namen der Religion entgegentreten.

Published in: on 24. Oktober 2010 at 18:03  Schreibe einen Kommentar  

Synode in Rom zu Ende gegangen

Papst Benedikt XVI. zum Abschluss der Messe mit Diakon aus einer Ostkirche

Mit einer feierlichen Messe im Petersdom endete an diesem Sonntag die Sonderversammlung der Bischofssynode zum Nahen Osten. Papst Benedikt XVI. zelebrierte sie gemeinsam mit vielen Patriarchen, Erzbischöfen und Bischöfen der verschiedenen katholischen Kirchen des Ostens. Bunt war der Petersdom, voll der verschiedensten liturgischen Kleidungen und erfüllt mit den Gesängen der verschiedenen christlichen Traditionen und Sprachen. In seiner Predigt sprach der Papst das schwerwiegendste Problem an, das die Kirchen des Nahen Ostens umtreibt.

„Die Konflikte im Nahen Osten dauern schon viel zu lange an, die Kriege, die Gewalt, der Terrorismus. Man darf sich nie mit dem Fehlen von Frieden abgeben. Der Frieden ist möglich. Der Frieden ist dringend. Der Friede ist die unaufgebbare Bedingung für ein würdiges Leben der Person und der ganzen Gesellschaft. Der Friede ist auch das beste Mittel, die Emigration aus dem Nahen Osten aufzuhalten. „Erbittet für Jerusalem Frieden“ sagt der Psalm (122, 6). Beten wir für den Frieden im Heiligen Land. Beten wir für den Frieden im Nahen Osten, während wir uns mühen, damit sich dieses Geschenk Gottes an die Menschen guten Willens auf der ganzen Welt verbreitet.“(rv)

Published in: on 24. Oktober 2010 at 18:00  Schreibe einen Kommentar  

Nahostsynode: 6. Generalversammlung

Der syrische Patriarch von Antiochien, Ignace Yousif III. Younan:

„Das Wort Wahrheit bedeutet auf arabisch auch Recht. Als unser Herr beim Letzten Abendmahl die Wahrheit verteidigte, verteidigte er auch das unveräußerliche Recht des Menschen auf Freiheit.“

Erzbischof Claudio Maria Celli vom Päpstlichen Medienrat:

„Ohne Priester und Bischöfe, die die heutige (digitale) Kultur verstehen, wird die Glaubensweitergabe an die Jüngeren in der Kirche noch schwieriger. Es reicht nicht, eine Homepage zu bauen; man braucht eine Präsenz, die wirklich kommuniziert

Der maronitische Bischof Robert Shaheen aus den USA:

„Wir sollten zusammenarbeiten mit den orthodoxen und protestantischen Kirchen im Ausland, um Wege zu finden, wie wir unseren Brüdern und Schwestern im Nahen Osten helfen können. Es wäre eine großartige Initiative, wenn wir jedes Jahr ein spezielles weltweites Wochenende für das Christentum in Nahost in allen unseren Kirchen hätten!“

Der armenische Weihbischof Jean Teyrouz aus dem Libanon:

„Die orthodoxen Kirchen haben mehr Kompetenzen in allen ihren patriarchalen Angelegenheiten. In ökumenischer Perspektive sollten auch die katholischen Ostkirchen mehr jurisdiktionelle Gewalt bekommen, weil sie sonst riskieren, eines Tages zu verschwinden…“

Der Franziskaner Cesar Essayan aus dem Libanon:

„Könnten wir nicht gemeinsame Initiativen mit unseren orthodoxen Brüdern durchführen? Wie wäre es z.B. mit einem nahöstlichen ökumenischen Jugendtag nach dem Modell der Weltjugendtage? … Wieweit sind wir bereit, das Risiko des Evangeliums einzugehen, das uns dazu einlädt, unsere Feinde – die oft unsere Brüder sind – zu lieben? Das Risiko der Versöhnung und der vorauseilenden Interkommunion mit unseren orthodoxen Brüdern und denen aus den Kirchen der Reformation?

Der maronitische Erzbischof Georges Bou Jaoude aus dem Libanon:

„Das Instrumentum laboris erwähnt kaum die Rolle der Laien in der Kirche… In der maronitischen Kirche haben die Laien immer aktiv am Leben der Kirche teilgenommen, und zwar über Marien-Bruderschaften. Außerdem haben sie immer schon die Güter und das Eigentum der Kirche verwaltet…

Bischofsvikar Camillo Ballin aus Kuwait:

„Ich versichere den Patriarchen und all unseren Mitbrüdern im Bischofsamt, dass wir wirklich alles tun (für die Gastarbeiter aus Golf, die zu den Ostkirchen gehören), was wir nur können; sie selbst könnten nicht mehr tun, wenn sie dort wären. Wir bitten unsere muslimischen Brüder, uns die Räume zu geben, um angemessen beten zu können.“

Der melkitische Erzbischof Georges Haddad aus dem Libanon:

„Die Religions- und Gewissensfreiheit gilt (im Libanon) nur für die 18 historisch anerkannten (Glaubens-) Gemeinschaften (12 christliche, 4 islamische sowie Drusen und Juden). Jeder, der nicht zu einer dieser Gemeinschaften gehört, darf seine (Religions-) Freiheit nicht leben!“

Published in: on 15. Oktober 2010 at 21:11  Schreibe einen Kommentar  

Nahostsynode: 5. Generalversammlung

„Wie weit sind wir bereit, das Risiko des Evangeliums einzugehen… das Risiko der Versöhnung und der vorauseilenden Interkommunion mit unseren orthodoxen Brüdern und denen aus den Kirchen der Reformation?“ fragte an diesem Donnerstag ein Franziskanerpater in Anwesenheit des Papstes.

Bei den Debatten der Sonder-Bischofssynode ging es auch am Mittwoch Abend und Donnerstag Morgen um viele heiße Themen rund um Christen im Nahen Osten.

Bischof Bechara Rai von Byblos, Libanon:

„Es gibt in der arabischen Welt eine starke Spaltung zwischen Sunniten und Schiiten; auf regionaler Ebene zeigt sich das in der Koalition der sunnitischen Seite mit Saudi-Arabien, Ägypten und Jordanien, auf schiitischer Seite mit dem Iran und Syrien. Diese Spaltung hat sich im Irak in einen blutigen Krieg zwischen Schiiten und Sunniten verwandelt. International verläuft diese Konfliktlinie zwischen den USA und ihren Alliierten, die für die Schiiten sind, und dem Iran auf der anderen Seite – wegen seiner regionalen Ambitionen und seines Atomprogramms. Im Libanon ist es dieser Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, wo es auch bei den Christen zur Spaltung kommt.“

Der maronitische Bischof Gregory Mansour aus den USA:

„Immer, wenn ich in den Nahen Osten komme, sehe ich, dass die Christen das Leben der Menschen in ihrem Umfeld deutlich verbessern. Schulen, Unis, Krankenhäuser die auch für Moslems, Juden wie Christen gleichermaßen offen sind. Wir werden vielleicht nie unsere islamischen oder jüdischen Nachbarn alleine mit Worten überzeugen können, dass unsere Anwesenheit wirklich ein Segen ist für sie, aber wir haben dieselben Mittel wie schon die ersten Christen, nämlich unsere Liebe und Großzügigkeit ihnen gegenüber.

Der armenische Patriarch Nerses Bedros XIX. Tarmouni aus dem Libanon:

„Der Blick auf die erste christliche Gemeinde zeigt uns, dass das Leben auch für die ersten Christen nicht einfach war. im Gegenteil, sie ertrugen Beleidigungen und Verfolgungen. Das soll nicht heißen, dass man nicht für Gerechtigkeit und Frieden in Nahost kämpfen soll. Aber es wäre ein Irrtum zu glauben, dass der Christ ohne diese Gerechtigkeit und diesen Frieden nicht voll seinen Glauben leben könnte oder emigrieren müsste. Übrigens: Keiner emigriert, weil er ein besseres christliches Leben führen möchte.

Der aus der Schweiz stammende Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar von Arabien:

„In den zwei Vikariaten auf der Arabischen Halbinsel gibt es keine einheimischen Christen. Die drei Millionen Katholiken in einer Bevölkerung von 65 Millionen Einwohnern sind alle Gastarbeiter aus hundert Nationen, die meisten von den Philippinen und aus Indien. Es gibt keine Religionsfreiheit; kein Moslem kann übertreten, aber Christen sind willkommen, wenn sie Moslems werden wollen. Begrenzte Kultfreiheit an ausgewählten Plätzen, zugestanden von wohlwollenden Herrschern (mit Ausnahme von Saudi-Arabien). Zuwenig Kirchen, sehr hohe Zahlen von Messbesuchern: In einer einzigen Pfarrei kommen an einem Freitag bis zu 25.000 Gläubige zu zehn oder mehr Messfeiern.“

Weihbischof Guz-Paul Noujaim aus dem Libanon:

„Papst Johannes Paul II. hat eine neue Form der Primatsausübung gewünscht. Das ist auch eine Einladung, die Rolle und den Platz der ostkirchlichen Patriarchen mit Blick auf die Anfänge zu überprüfen. Damals gab es ein Prinzip in der kirchlichen Organisation: Für einen Raum nur eine Jurisdiktion. Eine Rückkehr zur Einheit bedeutet eine juridische Organisation der Kirche, die den Patriarchen des Ostens ihre Privilegien aus der Frühzeit der Weltkirche wiedergibt, an der Seite des Papstes, des Kirchenoberhaupts. Hauptsächliche Schwierigkeiten für ein solches Projekt: die Gründung neuer Patriarchate seit dem ersten Jahrtausend; die Existenz mehrerer katholischer und eines orthodoxen Patriarchen für einen Patriarchensitz; eine römische Kurie, deren Verantwortung gegenüber den Patriarchen schlecht definiert ist. Vorschlag: Der Papst möge eine Kommission von Experten (Theologen, Historiker und Seelsorger) berufen, um konkrete Lösungen für diese Schwierigkeiten vorzuschlagen.“

Der melkitische Bischof Elie Bechara Haddad aus dem Libanon:

„Der Verkauf von Ländereien durch Christen im Libanon wird zu einem gefährlichen Phänomen. Das bedroht die christliche Präsenz schon in ein paar Jahren. Wir schlagen daher vor, eine Solidaritätsstrategie zwischen den Kirchen zu begründen, über die der Heilige Stuhl die Schirmherrschaft übernimmt.“

Der Generalsekretär des Rates ostkirchlicher Patriarchen, Pater Khalil Alwan:

„Die kirchlichen Autoritäten, also die römischen Dikasterien und die westlichen Bischofskonferenzen, und ihre Verbände scheinen aus Mangel an Information die Existenz dieses Rates zu ignorieren.“

Der chaldäische Bischof von Aleppo in Syrien, der Jesuit Antoine Audo:

„Trotz des Mangels an Berufungen sollten Kandidaten geprüft werden, bevor sie zum Priesterseminarzugelassen werden. (Wir brauchen auch) pastorale und geistliche Begleitung der Priester über die Jahre hinweg, eine ständige Weiterbildung von guter Qualität.“

Der koptische Bischof Youhanna Golta aus Ägypten:

„Zu den Beziehungen mit den orthodoxen Kirchen unserer Länder – sie sind unsere Wurzeln, unsere Vorfahren, sie haben den christlichen Glauben verteidigt und für uns bewahrt. Zu den Beziehungen mit den muslimischen Bürgern: Das Mittelalter hat uns bittere Früchte von Hass und Missachtung hinterlassen – eine wahre Tragödie.“

Weihbischof William Hanna Shomali von Jerusalem:

„Die lateinische Kirche im Orient ist nicht westlich, auch wenn viele Westler zu ihr gehören. Ein arabischer Christ, der zu dieser Kirche gehört, fühlt sich zu hundert Prozent als Orientale und zu hundert Prozent als jemand, der zum lateinischen Ritus gehört… Wir hoffen lebhaft auf ein gemeinsames Osterfest mit den orthodoxen Kirchen. Das bedeutet auch eine Vereinheitlichung der Fastenzeit – und warum auch nicht der Abstinenz- und Fastenpraxis? Das Fasten ist ein Wert, der im Islam und Judentum sehr geschätzt wird – darum wäre es wünschenswert, wenn die Katholiken von Ost- und lateinischem Ritus auch ihre Art des Fastens vereinheitlichen würden. Das wäre ein positives Signal für Christen wie für Nichtchristen.“

Der melkitische Erzbischof Cyrille Salim Bustros aus den USA:

„Im Prinzip gibt es im Koran ein klares Bekenntnis zur Toleranz. Aber de facto bedrohen die Gesetze aller arabischen Staaten mit Ausnahme des Libanon jeden Moslem, der sich zu einer anderen Religion bekehrt, mit dem Tod! Wir fragen hier: Wo ist denn da die Toleranz? Wie kann man die prinzipielle Toleranz vereinbaren mit der Todesdrohung, die wie ein Damoklesschwert über jedem Moslem schwebt, der seine Religion wechseln will.

Published in: on 15. Oktober 2010 at 21:08  Schreibe einen Kommentar  

Nahostsynode: 4. Generalversammlung

Seine Seligkeit Gregorios III. Laham, Patriarch von Antiochia (Griech.-Melkit.), Erzbischof von Damaskus, Syrien

Friede, Fröhlichkeit und die Anwesenheit der Christen in der arabischen Welt sind angebunden an einen existentiellen und soliden Weg, betont Patriarch Gregorios III. eingangs in seiner Rede, denn die Präsenz der Christen in der arabischen Welt sei von den Zyklen des Krieges gefährdet. Der Hauptgrund für den israelisch-palästinensischen Konflikt wären die fundamentalistischen Bewegungen. Seine Seligkeit stellt fest, daß die Auswanderung der Christen die arabische Gesellschaft zu einer Gesellschaft mit „nur einer Farbe“ machen würde. Seine Sorge ist, daß der Osten bald keine Christen mehr vor Ort haben würde. Seiner Ansicht nach wäre die Folge davon ein weiterer „new clash of cultures, of civilizations“ und „religions“ und dies würde nur zu einem destruktiven Zusammenstoß zwischen dem muslimisch-arabischen Osten und dem christlichen Westen führen, merkt Patriarch Gregorios an.

Seine Eminenz, Card. John Patrick Foley, Großmeister des Ritterordens vom Heiligen Grab, Vatikan

Card. Foley zeigt die Wichtigkeit des Gebetes und der Arbeit im Mittleren Osten auf, um den Frieden Christi unter die Menschen zu bringen. Wie viele andere, so hat auch der Vatikan die Zwei-Staaten-Lösung vorgeschlagen, betont er in seiner Intervention. Er weist energisch daraufhin, daß man keine weitere Zeit mehr verlieren möge, um diese Zwei-Staaten-Lösung durchzuführen. Anlässlich der Papstreise in das Heilige Land im Jahr 2009 habe Card. Foley die Möglichkeiten genutzt, um kurze Gespräche mit den politischen Führern Jordaniens, Israels und Palästinas zu führen, welche ihm Unterstützung und Verständnis für die Präsenz von katholischen Schulen in diesen Gebieten zusagten. Gegenseitiger Respekt sei vorhanden und man hoffe deshalb auf eine baldige Wiedervereinigung und Wertschätzung in Liebe.

Seit dem Jubiläumsjahr 2000 habe der Ritterorden vom Heiligen Grab mehr als 50 Millionen US-Dollar gespendet, insbesondere, um das Lateinische Patriarchat von Jerusalem und andere christliche Gemeinschaften und Institutionen zu unterstützen, damit diese überleben können. Card. Foley ist der Ansicht, daß Juden, Christen und Muslime an den einen Gott glauben und daß er hoffe, daß wir alle, wenngleich auch auf verschiedenen Wegen, das Fasten halten, glauben und Almosen geben und daß wir alle uns danach sehen würden an der Wallfahrt nach Jerusalem, der Stadt, die den Juden, Christen und Moslems heilig ist, teilzunehmen.

Seine Seligkeit Fouad Twal, Patriarch des Lateinischen Patriarchates, Jerusalem

Patriarch Twal forderte eine aktive, tätige Solidarität aller Katholiken für die Kirche im Heiligen Land. Die Heilige Mutter Kirche hat ihren Ursprung in Jerusalem. Mit den Worten aus dem Epheser-Brief zeigte er auf Christus, der der Friedenskönig ist: Eph 2,14f.: „Denn er [Christus] ist unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden) und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder. Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen. Er stiftete Frieden (…).“

Seine Exzellenz Baselios Cleemis Thottunkal, Erzbischof Maggiore di Trivandrum die Siro-Malankaresi, Indien

Gemeinschaft kommt grundsätzlich von der Trinität. Die Göttliche Wirklichkeit spiegelt sich in allen Heilstaten Jesus Christus nieder und die Kirche, Sein Leib, überliefert diese Wirklichkeit der Gemeinschaft. Da wir bestrebt sind unser christliches Zeugnis im Mittleren Osten zu verstärken, so der Erzbischof, fühle man auch die Bemühungen Gemeinschaft unter deren sechs orthodoxen Schwesterkirchen zu erzielen.

Published in: on 15. Oktober 2010 at 21:06  Schreibe einen Kommentar  

Nahostsynode: 3. Generalversammlung

Seine Eminenz Kardinal Angelo Sodano, Dekan des Kardinalskollegiums, Vatikan:

Stimmte dem Inhalt des Instrumentum Laboris vollkommen zu. Die erste Anforderung sei die kirchliche Gemeinschaft, worauf die Christen in der gegenwärtigen komplexen Realität des Mittleren Osten achten und hören mögen. Das Zeugnis der Einheit, das die Hirten und die Gläubigen der Gesellschaft geben, in der sie leben, sei wesentlich. Die Zugehörigkeit zu der einen Kirche Christi hat Priorität. Die Einheit zwischen den Hirten und den Gläubigen im Mittleren Osten bedarf vor allem zuerst einer Einheit mit der Kirche von Rom, den Ort, an den die Göttliche Vorsehung den Apostel Petrus hinführte, um seinen Stuhl aufzustellen, merkte Kardinal Sodano an. Ein neuer Beginn im Mittleren Osten mit den Talenten, die Gott dazu gibt, sei notwendig. Es sei ein dringendes Anliegen eine Lösung zum tragischen Konflikt zwischen Israel und Palästina zu finden. Die Religionsfreiheit aller Gläubigen müsse mit Respekt eingefordert werden.

Seine Eminenz Kardinal Zenon Grocholewski, Präfekt der Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Vatikan:

Die Kirche im Mittleren Osten hat eine lange zurückreichende Tradition an Bildung. Es gibt tausende Bildungseinrichtungen, vier katholische Universitäten, acht Institute für höhere kirchliche Studien und mindestens zehn Seminare für die verschiedenen Riten.

4 Punkte nannte Kard. Grocholewski: 1. Die Bildungseinrichtungen sind offen für alle Menschen, sodaß sich niemand als Fremder fühlen müsse. 2. Um Friedensvermittler zu sein, müsse man Respekt haben vor den Menschenrechten, dem Fortschritt, den zivilen und politischen Verpflichtungen, sich für die Ökumene und den Dialog mit anderen Institutionen engagieren. 3. Die Unterstützung von Berufungen zum Priestertum und eine profunde philosophische und theologische Ausbildung sowie geistliche und kulturelle Vorbereitung für die zukünftigen Priester. 4. Von hoher Notwendigkeit ist die Präsenz der Bischöfe, um die katholischen Bildungseinrichtungen zu unterstützen, zu ermutigen und sie konstruktiv in ihren Tätigkeiten zu begleiten.

Pater David Neuhaus SJ, Patriarchalvikar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Seelsorger für die Hebräisch sprechenden Katholiken:

Pater Neuhaus wies auf die Tatsache hin, daß Hebräisch auch eine Sprache der Katholischen Kirche im Mittleren Osten sei und im täglichen Leben von hunderten Katholiken in Israel gesprochen wird, gesehen im Zusammenhang mit der Inkulturation in der Gesellschaft. Es gibt tausende von Kindern, die katholisch sind, Familien von Fremdarbeitern, Flüchtlingen und auch Araber, die hebräische Sprachschulen besuchen und Katechismusunterricht auf Hebräisch erhalten. Das sollte für die Kirche eine große Herausforderung in der Zukunft sein. Das hebräisch sprechende Katholische Vikariat suche Wege, um als Brücke zwischen der Kirche, mehrheitlich arabisch sprechend, und der jüdisch-israelischen Gesellschaft zu wirken, um gegenseitigen Respekt zu lehren den Menschen des ersten Bundes und eine Sensibilität für den Schrei nach mehr Gerechtigkeit und Frieden für Israeli und Palästinenser. Arabisch sprechende und hebräisch sprechende Katholiken mögen gemeinsam Zeugnis geben und zusammenarbeiten für die Kirche in ihrem Geburtsland.

Seine Exzellenz Monsignore Salim Sayegh, Weihbischof des Lateinischen Patriarchates von Jerusalem:

Zu erwähnen sei auch das Problem der Sekten im Heiligen Land, welche große doktrinäre Verwirrung stiften. Unsere Zeit sei voll von deren Unsinn. In Jordanien, als Beispiel genannt, gibt es etwa 50 verschiedene Sekten. Bischof Sayegh stellte die Frage in den Raum, was getan werden könne, um den Glaubensschatz der Kirche zu sichern und um den wachsenden Einfluß der Sekten im Heiligen Land zu stoppen? Eine Antwort könne in den pastoralen Tätigkeiten hierfür gefunden werden: z. B. Die Priester sollten die Familien besuchen und sie über den wahren Glauben unterweisen und ihnen helfen den wahren Glauben zu leben. Wichtig sei hierbei auch die christliche Formung von Erwachsenen und die Notwendigkeit der Mitarbeit katholischer Schulen in ihrer Mission, die jungen Menschen im Glauben zu unterrichten. Bischof Sayegh schloß seine Intervention mit folgendem Gedanken: Es sei notwendig den Glaubensschatz zu schützen. Dies sei die grundlegende Mission der Priester der Katholischen Kirche.

Seine Exzellenz Mons. Georges Bacouni, Erzbischof von Tyr (Griech.-Melk.), Libanon

Das Modell der Pädagogik des Herrn, so wie Er mit seinen Jüngern nach Emmaus unterwegs war, sei maßgebend für die Katechese (vgl. Lk 24). Wesentlich sei es, die Gläubigen zu einer persönlichen Beziehung mit Jesus zu geleiten. Da viele Menschen nicht mehr zur Kirche kommen, gehen Mitglieder von den neuen kirchlichen Bewegungen/Gemeinschaften mit diesen, so wie dies der Herr mit seinen Jüngern getan hatte. Die Jünger von Emmaus kehrten mit Hoffnung zurück, in einer Hoffnung, auf die die Kirche gegründet worden ist. Mögen auch wir [sc. die Synodenväter] in unsere Heimat nach dieser Synode auf einem neuen Weg zurückkehren, um die Kirche zu erneuern.

Seine Exzellenz Mons. Jean Benjamin Sleiman, O.C.D., Erzbischof von Babylon der Lateiner, Irak

Seine Intervention bezieht sich auf Instrumentum Laboris (kurz: IL) Nr. 55: Die innerkirchliche Gemeinschaft: Die Einheit in Verschiedenheit ist das Wesentliche für EB Sleiman. Die Gemeinschaft sei das Herz der kirchlichen Identität, die Dynamik der Einheit und die Vielfalt der Teilkirchen

Rev. P. Semaan Abou Abdou, O.M.M. Generalsuperior vom Mariamite Maronite Order

Er betonte besonders die Tatsache, daß die Gründe für die Auswanderung politischer und ökumenischer Art seien und dies den sozialen Aspekt beeinflusse. Alles hänge vom israelisch-palästinensischen Konflikt ab. Oftmals seien die Christen die hauptsächlichen Opfer.

Published in: on 15. Oktober 2010 at 21:04  Schreibe einen Kommentar  

Nahostsynode: 2. Generalversammlung

Polykarp Kardinal Pengo, Erzbischof von Dar-es-Salaam

Kardinal Polycarp Pengo aus Tansania, Erzbischof von Dar-es-Salaam, Präsident des „Symposium of Episcopal Conferences of Africa and Madagascar“ (S.E.C.A.M.)

„Bei uns in Ostafrika war der Islam bis vor fünfzig Jahren so dominierend an der Küste des Indischen Ozeans, dass das den Glauben der jungen Leute bedrohte, wenn sie auf der Arbeitssuche aus dem Landesinnern in diese Regionen kamen. Was die Lage in Ostafrika gerettet hat, war die enge Zusammenarbeit von christlichen Missionaren im Landesinnern mit denen an der Küste. Die jungen Leute bekamen, wenn sie an die Küste zogen, Briefe an die dortigen Missionare mit, und diese nahmen die jungen Leute dann gleich in ihre christlichen Gemeinschaften auf…“

Erzbischof John Atcherley Dew, Erzbischof von Wellington, Neuseeland

Erzbischof John Atcherley Dew aus Neuseeland im Auftrag der ozeanischen Bischöfe:

„Wir hatten immer schon Migranten und Flüchtlinge aus dem Grossraum Nahost in Ozeanien: europäische Juden, Flüchtlinge aus dem Deutschland der 30er Jahre, Überlebende der Shoah; Libanesen, Palaestinenser, Ägypter; Iraker, und zwar sowohl Christen wie Muslime; und in neuerer Zeit kurdische Flüchtlinge aus Irak, Iran und der Türkei.“

Roger Kardinal Mahoney, Erzbischof von Los Angeles

Kardinal Roger Mahoney, Erzbischof von los Angeles aus den USA für die nordamerikanischen Bischöfe:

„Viele östliche Katholiken, die aus dem Nahen Osten zu uns kommen, werden der Einfachheit halber römische Katholiken und geben ihre Tradition auf. Es gibt eine Spannung zwischen Vielfalt und Einheit… Ein Beispiel: Viele östliche Kirchen lassen Kinder ab der Taufe schon zur Kommunion zu. Wenn diese Familien dann römisch-katholische Messen mit ihren Kindern zusammen besuchen, werden diese Kinder oft daran gehindert, zur Kommunion zu gehen. Wir bräuchten groessere Sensibilität in sehr praktischen Fragen wie dieser hier, um die Schwierigkeiten von Einwanderern aus dem Nahen Osten zu erleichtern.“

Erzbischof Raymundo Damasceno Assis, Erzbischof von Aparecida, Brasilien

Erzbischof Raymundo Damasceno Assis aus Brasilien im Auftrag der lateinamerikanischen Bischöfe:

„Wir bräuchten ein stärkeres Bewusstsein, dass wir einen gemeinsamen katholischen Glauben haben, um auch zu einer gemeinsamen Missionsarbeit zu kommen.“

Angelo Kardinal Sodano, Dekan des Kardinalskollegiums

Kardinal Angelo Sodano für das Kardinalskollegium:

„Ich drücke meine Solidarität auch mit den Christen in Afghanistan aus, obwohl sie auf dieser Synode nicht vertreten sind… Ich erinnere daran, wie nützlich es wäre, mit den päpstlichen Nuntien in den Ländern des Nahen Ostens zusammenzuarbeiten. Es sind acht: in Jerusalem, Beirut, Damaskus, Ankara, Bagdad, Teheran, Kairo und Safat in Kuweit.“

Erzbischof Elias Chacour, Erzbischof von Akka, Israel

Erzbischof Elias Chacour aus Akko in Israel, der die grösste katholische Kirche im Heiligen Land vertritt, die melkitische nämlich:

„In den letzten zwanzig Jahrhunderten waren unsere Christen im Heiligen Land zu Unterdrückung, Verfolgung und Leiden mit Christus verurteilt. Er ist auferstanden, aber sein Kreuz steht noch bei uns; unsere Christen hängen noch an diesem furchtbaren Kreuz. Sie leben weiter mit täglichen Drohungen von Behörden, die davon träumen, unsere Minderheit umzusiedeln, weg von ihrem Land, von ihren Häusern… Wir wollen bleiben, wo wir sind, wir brauchen Eure Freundschaft und nicht Euer Geld!“

Erzbischof Boutros Marayati, armen. Erzbischof von Aleppo, Syrien

Der armenische Erzbischof Boutros Marayati aus dem syrischen Aleppo:

„Im Grundlagentext der Synode, dem Instrumentum laboris, fehlt der Hinweis auf den Genozid an den armenischen Christen und auf den Genozid überhaupt an Christen, der heute noch anhält… Wir fragen uns: Gibt es etwa ein Projekt mit dem Ziel, den Nahen Osten christenfrei zu machen?“

Der koptische Bischof von Assiut in Ägypten, Kyrillos Samaan:

„In unserem Land Ägypten sind alle – Katholiken, Nichtkatholiken und sogar Nichtchristen – Kopten. Wozu dient da eine lateinische Liturgie in arabischer Sprache? Wenn Lateiner da sind, dürfen sie natürlich lateinische Messen feiern, aber in einer anderen Sprache und nicht auf Arabisch, denn damit locken sie unsere Gläubigen an und führen zu Verwirrung!“

Der ägyptische koptische Bischof Fahim Awad Hanna:

„Der Hunger nach dem Wort Gottes ist gross in unserer Region. Wir brauchen mehr Spezialisten, Zentren und Gemeinschaften, um die biblische Kultur in unserer Realität zu studieren, zu meditieren, zu leben und zu verbreiten.“

Der koptische Bischof Joannes Zakaria aus Luxor/Theben in Ägypten:

„Aus Theben kamen der heilige Mauritius und seine Gefährten von der Thebäischen Legion des römischen Heeres, die das Evangelium in der Schweiz, Deutschland und Frankreich verbreitet haben… Die Ostkirchen sollten etwas für die Reevangelisierung ihrer Kinder tun! Ich schlage eine schriftliche Strategie für die Erneuerung der missionarischen Aktivität der Ostkirchen vor, und die Gründung von Instituten für die Ausbildung von Missionaren.“

Kurienkardinal Zenon Grocholewski , Präfekt der Päpstlichen Kongregation für das Katholische Bildungswesen :

„Unsere Schulen und Bildungseinrichtungen im Nahen Osten müssen für alle offen sein und auch die respektieren, die den christlichen Glauben nicht teilen… Das kann aber nicht bedeuten, dass sie die christlichen Werte verschweigen!“

Pater David Neuhaus vom Lateinischen Patriarchat Jerusalem:

Hebräisch ist auch eine Sprache der katholischen Kirche im Nahen Osten! Tausende von Kindern aus ausländischen Gastarbeiterfamilien brauchen Katechismusunterricht auf hebräisch – eine grosse Herausforderung für unser Vikariat für Katholiken hebräischer Sprache…“

Erzbischof Louis Sako von Kirkuk im Irak:

„Der tödliche Exodus, der unsere Kirchen betrifft, lässt sich nicht vermeiden. Die Emigration ist die grösste Herausforderung, die unsere Präsenz im Irak bedroht. Die Zahlen sind besorgniserregend.“

Der koptische Bischof Antonios Aziz Mina aus Gisa in Ägypten:

„Man müsste die Prozedur der Bischofsernennungen bei den Ostkirchen vereinfachen, damit sie schneller geht… Seit den dreissiger Jahren dürfen verheiratete Priester (der Ostkirchen) nicht mehr ausserhalb des patriarchalen Territoriums und der historischen östlichen Regionen geweiht werden bzw. arbeiten. Ich glaube, dass die Zeit gekommen ist, das zu ändern – zugunsten der Seelsorge der östlichen Gläubigen in der Diaspora.“

Erzbischof Maroun Laham von Tunis in Tunesien:

„Man muss wissen, dass es mehr Moslems in Nordafrika gibt als im Nahen Osten… Unsere christlichen Gläubigen sind in der Regel alle Ausländer; jede Kirche im Maghreb hat nicht weniger als 60 verschiedene Nationalitäten in ihren Reihen… Ich bitte um Zusammenarbeit: um ein Ausleihen von Priestern, Ordensleuten, geweihten Laien oder Freiwilligen, die in den Pfarreien und den verschiedenen Einrichtungen der Kirche in Nordafrika arbeiten. Bisher stellte Europa all das sicher; jetzt geht das nicht mehr, wegen des Priestermangels… Wir haben zwei Richtungen, in denen wir um Hilfe bitten können: Afrika und Nahost… Bittet, so wird euch gegeben, sagt der Herr. Wir haben gebeten, jetzt warten wir darauf, etwas zu empfangen.“

Der maronitische Erzbischof Samir Nassar von Damaskus:

„Die Nähe von Christen mit ihrem Evangelium bringt Moslems dazu, über eine kritische Lektüre des Koran nachzudenken… In einem säkularen Staat wie Syrien lassen sich einige Initiativen gemeinsam mit Moslems durchführen; wir konnten etwa Kunst-, Theater- oder Sportveranstaltungen im zurückliegenden Paulusjahr gemeinsam veranstalten… Man sollte aber Provokationen des Islam vermeiden – etwa die dänischen Karikaturen oder den Aufruf zur Koranverbrennung. Das sind Gesten, die den christlichen Minderheiten im Orient und woanders schaden“

Bischof Salim Sayegh vom Lateinischen Patriarchat in Jerusalem:

„Die Sekten führen zu einer grossen Verwirrung in der Lehre. Unsere Zeit ist voll von ihren theologischen Phantastereien. In Jordanien zum Beispiel gibt es etwa 50 Sekten – fünf davon haben mehr aktive Seelsorger als alle katholischen und orthodoxen Kirchen zusammen!“

Der Lateinische Erzbischof Jean Sleiman von Bagdad im Irak:

„Unsere Gemeinschaft wird vom Konfessionalismus geschwächt. Die Riten haben sich in Konfessionen verwandelt. Unsere Kirchen sui juris müssten an die Wurzeln dieses Phänomens gehen, die in die frühislamische Zeit zurueckreichen. Wir sollten das Modell der Gemeinschaft von Jerusalem wiederentdecken.“

Bischof Giorgio Bertin von Mogadischu in Somalia:

„Warum arbeiten wir nicht auf der Ebene der nahöstlichen Kirche und der ganzen Kirche mit den Priestern, die wir haben, zusammen? … Ich schlage eine Art Datenbank verfügbarer Priester vor: Aus allen Kirchen und Ordensgemeinschaften sollten sich einige Priester für eine bestimmte Zeit, etwa 3 Monate, 6 Monate, 9 Monate usw., zur Verfügung stellen fuer die Arbeit in einer anderen Kirche oder bei einer anderen Gruppe von Katholiken.“

Ein orientalischer Bischof aus Lateinamerika:

„Es ist schwer zu verstehen, warum die Aktivität der Patriarchen, Bischöfe und Synoden der Ostkirchen auf ihr Territorium beschränkt werden. Unter den 23 Kirchen eigenen Rechts, die heute die katholische Kirche bilden, hat nur eine, nämlich die lateinische, nicht diese Beschränkung. So können die 22 Ostkirchen nur schwer ihre Identität bewahren und wachsen, vor allem im Westen… Eigentlich müssten ausserdem die Patriarchen der Ostkirchen ipso facto Mitglieder des Kollegiums sein, das den Papst wählt, auch ohne dass sie dafür Kardinäle sein müssen.“

Der melkitische Patriarch Gregorios III. Laham von Damaskus in Syrien:

„Die christliche Anwesenheit in der arabischen Welt wird durch den Zyklus von Kriegen bedroht, die immer wieder in dieser Ursprungsregion des Christentums ausbrechen. Der wichtigste Grund ist der israelisch-paästinensische Konflikt… Wenn sich der Orient von Christen leeren sollte, dann würde nichts mehr einen neuen Zusammenprall der Kulturen aufhalten, der Zivilisationen und sogar der Religionen. Es wäre ein zerstörerischer Zusammenprall zwischen einem islamischen arabischen Orient und einem christlichen Westen.“

Kyrillos Kamal William Samaan

 

 

Published in: on 15. Oktober 2010 at 20:30  Schreibe einen Kommentar