Ökumenischer Kirchentag in München

Ökumenischer Kirchentag zu Ende gegangen
In München ist am Sonntag der 2. Ökumenische Kirchentag zu Ende gegangen. Etwa 100.000 Menschen nahmen auf der Theresienwiese am Schlussgottesdienst teil. Die Organisatoren des Kirchentags riefen zu mehr gemeinsamem Engagement der Christen in der Gesellschaft und zu Reformen in den Kirchen auf. Dabei forderten sie in Sachen Mahlgemeinschaft der Kirchen neue Lösungen, vor allem mit Blick auf konfessionsgemischte Ehepaare.

Abschlussgottesdienst auf der Wies`n
Der katholische Kirchentags-Präsident Alois Glück sagte in dem Gottesdienst: „Wir müssen mutiger voranschreiten!“ Gerade in konfessionsverbindenden Ehen litten viele schmerzlich an der fehlenden Eucharistiegemeinschaft. „Wir brauchen hier dringend eine Lösung“, rief Glück aus. Unter Beifall betonte er zugleich: „Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest“ – eine Anspielung auf das nasskalte Wetter auf der Wies`n.

Der evangelische Kirchentagspräsident Eckard Nagel betonte, durch das Münchener Großereignis habe die Ökumene in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Dazu gehöre die Tischgemeinschaft der getrennten Kirchen, wie sie am Freitagabend mit einer orthodoxen Mahlfeier praktiziert worden war. Christus fordere hier zu einem neuen, gemeinsamen Aufbruch auf. Zudem wandte er sich gegen „unrealistische Wachstumsversprechen“.

Glück sprach auch die aktuelle Lage der katholischen Kirche an und forderte einen neuen Aufbruch. Die Katholiken seien in einer schwierigen Situation zum Kirchentag gekommen. Durch die Missbrauchsfälle sei ihre Kirche „in einer schweren Vertrauenskrise“. Wörtlich erklärte Glück, der auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist: „Wir leiden an unserer Kirche, wir leiden mit unserer Kirche. Aber sie ist weiter unsere Kirche.“ Er hoffe, dass diese Krise zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Laien, Priestern und Bischöfen führe, so Glück.

„Viel spricht für einen 3. ÖKT“
Erzbischof Robert Zollitsch rief zu Dankbarkeit auf. Sie führe zu Gott und stärke die Gemeinschaft untereinander. Mit dieser Haltung werde man zu Christen, „deren Glaube ansteckt und überzeugt“. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sagte wörtlich: „Dieses Hoffnungszeichen braucht unser Land, braucht Europa, braucht die Welt.“ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisierte, „wir gutsituierten Christenmenschen“ träumten nicht von der Umkehrung aller Verhältnisse, sondern „allenfalls von friedlicher Veränderung“. Hungernde sollten gesättigt werden, ohne dass die Reichen dafür hungerten, so Präses Nikolaus Schneider.

Die zwei gastgebenden Bischöfe zogen eine positive Bilanz des Ökumenischen Kirchentags. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagte, er halte Fortschritte in der Frage des gemeinsamen Abendmahls für möglich. Der Münchner katholische Erzbischof Reinhard Marx zeigte sich besonders beeindruckt von der Freude, die vom ÖKT ausgehe. Zigtausende junge und alte Christen hätten sowohl Gottesdienste gefeiert als auch kritisch diskutiert. „Das macht Hoffnung“, so Marx wörtlich. Die Frage nach einem möglichen 3. Ökumenischen Kirchentag beantworteten sie zurückhaltend positiv. Friedrich erklärte, darüber wolle man bewusst erst nach den Erfahrungen des Münchner ÖKT reden. Er persönlich denke, „dass viel für einen 3. Ökumenischen Kirchentag spricht“. Marx betonte, die Verantwortlichen setzten sich demnächst zusammen, um Bilanz zu ziehen. „Danach sehen wir weiter“, so der Erzbischof.

Abseits vom offiziellen Programm: „Ökumenisches Abendmahl“
Der ÖKT stand unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Zu gut 3.000 Veranstaltungen kamen seit Mittwoch laut Organisatoren mehr als 130.000 Dauerteilnehmer und Zehntausende Tagesgäste. Am Samstag Abend demonstrierten Tausende von Christen mit einer Menschenkette zwischen den Bischofskirchen Münchens für Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten. Außerhalb des Kirchentagsprogramms haben rund 400 Christen am Samstagabend ein „ökumenisches Abendmahl“ gefeiert. Der Gottesdienst fand in einem überfüllten Hörsaal der Technischen Universität statt. (kna/kipa/rv)

Zollitsch: „Wir sind keine Konkurrenten“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, verspricht sich vom Zweiten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) einen Neuanfang. Es sei bei dem Treffen in München auch darum gegangen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Zollitsch am Wochenende in München. Unser Mann vor Ort, Pater Bernd Hagenkord, fragte Zollitsch, was ihn persönlich am meisten gefreut habe beim ÖKT. (rv)

Published in: on 16. Mai 2010 at 20:30  Comments (1)  

Ökumenischer Kirchentag in München

ÖKT: Kirchentag diskutiert über die Krise
Das Thema Krise bildete am vergangenen Samstag einen Schwerpunkt des 2. Ökumenischen Kirchentags in München. Dabei soll die Verantwortung der Wirtschaft ebenso zur Sprache kommen wie Auswirkungen der Finanzkrise auf Entwicklungsländer. Basisgruppen haben für den späten Nachmittag zu einer Menschenkette zwischen einer evangelischen Kirche in der Münchner Innenstadt und dem katholischen Liebfrauendom aufgerufen. Mit der Aktion wollen sie der Forderung nach einer „gemeinsamen Mahlfeier“ von Katholiken und Protestanten Nachdruck verleihen. Am Abend gibt im Rahmen des Kirchentags Nena ein Live-Konzert auf der Theresienwiese. Das fünftägige Christentreffen in der bayerischen Landeshauptstadt steht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Es geht am Sonntag zu Ende. Nach Angaben der Veranstalter haben sich 125.000 Dauerteilnehmer angemeldet. (pm/kna)

ÖKT: Zollitsch lobt den Kirchentag
Es waren gute Tage in München, die eine Kirche aller Generationen gezeigt haben. Das sagt zum Abschluss des Zweiten Ökumenischen Kirchentags, Erzbischof Robert Zollitsch, in München. Alt und Jung bildeten zusammen eine lebendige, neugierige und fröhliche Gemeinschaft, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Das mache Mut und erinnere uns daran, dass der Glaube viele Gesichter habe. Zollitsch:
„Es gab viele schöne Begegnungen hier in München. Mir ist aufgefallen, dass überall wo ich war die Botschaft durchkam, was das Gemeinsame ist und verbindet wichtig ist. Das Gemeinsame ist größer als das, was uns trennt. Das habe ich vor allem bei dem Podium mit dem evangelischen Präses Schneider erlebt. Wir haben gemeinsam aufgezeigt, was uns verbindet. … Deshalb bin ich sehr angetan, von dem, was die Veranstalter hier organisiert haben. Die Kritiken sind eher von den Medien hochgespielt worden.“ (rv/pm)

ÖKT: Bischöfe reagieren auf innerkirchliche Debatte
Die deutschen Bischöfe wollen die wachsende Debatte um den Zustand der Kirche aufgreifen. Ziel sei es, in den kommenden Jahren die Bedeutung des Konzils neu zu verdeutlichen, sagte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Samstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in München. Die Bischofskonferenz habe dazu bereits eine Arbeitsgruppe aus drei Bischöfen eingesetzt. Nach Kopps Angaben plant die Bischofskonferenz mit Blick auf den 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) eine „Reflexion“. Sie solle der Selbstvergewisserung dienen und die Bedeutung des Konzils herausarbeiten. Der Arbeitstitel laute „Kirche und öffentliches Leben“. Die weitere Ausgestaltung dieses Prozesses beginne im Sommer. (kna)

ÖKT: Merkel wünscht sich „selbstbewusste Christen“
Sie wünsche sich ein offensiveres Auftreten von Christen in der Gesellschaft, das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Ökumenischen Kirchentag gesagt. An diesem Freitag war sie Rednerin bei der Podiumsdiskussion „ Hoffnung in Zeiten der Verunsicherung – Gibt es eine Formel für den gesellschaftlichen Zusammenhalt?“

„Liebe Kirchentagsbesucher, für etwas kurzsichtige Menschen wie mich ist das hier eine riesige Halle, aber danke, dass sie alle gekommen sind. Wir haben ja Glück, hier drin regnet es nicht.“

Es lag bestimmt nicht nur an dem schlechten Wetter: Die Halle C 1 des Ökumenischen Kirchentagsgeländes war schon lange bevor die Bundeskanzlerin den Saal betrat, überfüllt. 6.000 Menschen waren gekommen, um diese Kernveranstaltung zu erleben und die Worte von Angela Merkel zu hören. Was ist das Fundament, das unsere Gesellschaft zusammenhält?

„Unsere Gesellschaft lebt von Voraussetzungen, die sie selber gar nicht schaffen kann und eine dieser ganz wichtigen Voraussetzungen, die ist zweifelsohne das Christentum. Das Christentum hat unser Land geprägt, unseren Kontinent, den ganzen europäischen Kontinent (…) Ich sage nicht, dass man nicht anderswie auch darauf kommen kann, aber bei uns in Deutschland ist man ganz klar durch das Christentum in diese Wertvorstellung gekommen, das bedeutet, dass man weiß, Freiheit bedeutet nicht Freiheit von etwas, sondern Freiheit bedeutet, die Freiheit von Gott gegeben zu bekommen durch seine Schöpfung für etwas, sich für jemanden anderen einzusetzen, für eine Sache einzusetzen und das ist vielleicht die wichtigste Quelle des Zusammenhalts.“

Zeiten der Verunsicherung, der Titel der Diskussion lässt sich nicht nur auf die Finanzkrise münzen. Während des Kirchentages ist ein zentrales Thema die Missbrauchskrise. Dazu sagte die deutsche Bundeskanzlerin:

„Mein Wunsch wäre, den spüre ich aber auch in der katholischen Kirche, aber auch in den anderen Bereichen, wo das vorgekommen ist, dass wir mit gutem Gewissen sagen können, wir haben den Opfern, das wiedergegeben, was überhaupt nur möglich ist, nämlich wo immer möglich Strafe zu haben und wo etwas passiert ist, aber auch gesellschaftliches Mitgefühl für die, die das erleiden mussten.“ (rv/pm/kna)

ÖKT: „Altes neu entdeckt“ – orthodoxe Vesper in München
Bei einer orthodoxen Vesper auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag haben rund 20.000 Christen verschiedenster Konfessionen gesegnetes Brot geteilt. Zu den Gästen gehörten auch Münchens Erzbischof Reinhard Marx, der bayerische Landesbischof Johannes Friedrich und der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos von Deutschland. Der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Kirchentagspräsident Alois Glück wertete die Feier als einen „großen Schritt“ zur wachsenden Einheit zwischen den Kirchen. (rv)

ÖKT: Riccardi macht Vorwürfe
Sant’Egidio-Gründer Andrea Riccardi hat den Kirchen einen zu starken Selbstbezug vorgeworfen. Auch seien sie zu reich, sagte der Karlspreisträger am Freitag beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München. „Wenn die Kirchen sich nur noch mit sich selbst befassen, begehen sie Selbstmord.“ Riccardi forderte die Christen in Europa auf, stärker aus der Kraft des Evangeliums zu leben, die Frohe Botschaft zu verkünden und Solidarität mit den Armen zu praktizieren. (kipa)

Published in: on 16. Mai 2010 at 09:41  Schreibe einen Kommentar  

2. Ökumenischer Kirchentag in München

Bischof Ackermann kritisiert Missbrauchsdebatten beim ÖKT
Mit engagierter Beteiligung des Publikums wurde beim 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München über die Ursachen und Folgen von Missbrauch diskutiert. Bischof Stephan Ackermann zeigte sich „sehr erschrocken“ über den verengten Blick der auf dem ÖKT geführten Missbrauchdiskussion. Seiner Meinung nach seien die Debatten zum Thema zu sehr auf die Kritik an der Institution Kirche konzentriert. Die Opfer gingen stattdessen aus dem Blick verloren, so Ackermann.

Die deutschen Bischöfe wollen die Opferarbeit stärker bedenken. Die Oberhirten arbeiten mit Hochdruck an neuen Leitlinien, die bis zur Herbstvollversammlung überarbeitet werden sollen. Die Podiumsdiskussion am Freitagvormittag war aufgrund des großen Andrangs trotz der größten Messehalle, die man gewählt hatte schon eine Stunde vor Beginn überfüllt. Es wurde kritisiert, dass kein Opfer offiziell vertreten wurde.

„Den Vorwurf gab es bereits beim Runden Tisch. Hier bei der Podiumsdiskussion ist das Präsidium des Ökumenischen Kirchentages zuständig. Ich will nochmals betonen, dass wir beim Runden Tisch Experten eingeladen. Das sind Leute, die jahrzehntelang mit Opfern arbeiten. Sie bringen die Perspektive der Opfer ein. Daher ist so, auch wenn die Opfer nicht am Tisch sitzen, sie doch dabei sind.“

Wenige Momente nach Redebeginn unterbrach ein Zuhörer am Freitag vor der Bühne den Leiter des Berliner Jesuitenkollegs, Pater Klaus Mertes. Mit Rufen wie „Geben Sie uns eine Stimme“ und „Lügentheater“ drängte der als Missbrauchsopfer bekannte Norbert Denef darauf, dass Opfer selber zu Wort kommen sollten. Er forderte den Abbruch der Veranstaltung. Denef ist Sprecher des Netzwerks von sexualisierter Gewalt Betroffener. Nach einem Disput und einer Intervention der Moderatorin setzte Mertes seinen Beitrag fort. „Sie haben vollkommen recht: Nicht ich habe das Schweigen gebrochen, sondern die Opfer haben das Schweigen gebrochen“, sagte der Jesuit an die Adresse des Störers. Die Szenerie am Fuß der Bühne wurde von zahlreichen Kamerateams umlagert. (kipa/rv/zenit)

„Konfessionsgemischte Ehen zur Kommunion zulassen“
Eine Zulassung auch von nicht-katholischen Partnern in konfessionsgemischten Ehen zur Kommunion hat der pensionierte Münchner Dogmatiker Peter Neuner gefordert. „Durch eine christlich gelebte konfessionsverschiedene Ehe kommen beide Eheleute jeweils in eine geistliche Gemeinschaft mit der Kirche ihres Partners, die den Ausschluss vom Herrenmahl als nicht mehr gerechtfertigt erscheinen lässt“, sagte Neuner am Freitag beim Ökumenischen Kirchentag in München. Weiter meinte der Theologe, universelle Verbote könnten der Situation des Einzelnen nicht in allen Fällen gerecht werden. Was für die Kirchen als ganze nicht erlaubt sei, müsse keineswegs auch für jeden Einzelfall ausgeschlossen sein. „Innerhalb des Grundfehlers Kirchentrennung kann es keine richtige und in sich widerspruchsfreie Antwort auf alle Einzelfragen geben“, so Neuner. – Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, wertete unterdessen die Argumentation Neuners als „innerlich schlüssig“. Die Deutsche Bischofskonferenz müsse „in diese Richtung weiterdenken“, erklärte Fürst. Dies werde aber nicht schon „morgen zum Ziel führen“. (kipa)

Friedrich wirbt für Kompromiss zum gemeinsamen Abendmahl
Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sieht die theologische Debatte zwischen Protestanten und Katholiken um das Abendmahl als beendet an. Das Thema sei erschöpfend von Fachleuten beider Seiten behandelt worden, sagte Friedrich am Freitag beim Ökumenischen Kirchentag in München. Klärungsbedarf gebe es keinen mehr, es fehlten nur die Taten. Friedrich, der bayerischer Landesbischof ist, warb für einen Kompromiss. Evangelische und katholische Kirche sollten eine Vereinbarung über die gegenseitige Einladung zur Feier der Eucharistie schließen, wie sie seit 25 Jahren zwischen evangelischer und alt-katholischer Kirche in Kraft sei. Ein solcher Schritt könne vor allem „das Leid der Menschen in konfessionsverschiedener Lebensgemeinschaft“ aufheben, so Friedrich. – Die unterschiedlichen Auffassungen in der Abendmahlslehre zählen zu den wichtigsten theologischen Differenzen zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Nach katholischem Verständnis ist Jesus Christus real in den Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig, die dabei ihre „Substanz“ ändern. In den reformatorischen Kirchen liegen die Akzente stärker auf Bekenntnis und Gedächtnis. (kna)

Lammert bezeichnet Apostel Paulus als guter Generalsekretär
Der Völkerapostel Paulus wäre nach Einschätzung von Bundestagspräsident Norbert Lammert ein guter Generalsekretär einer Partei gewesen. Paulus habe auch komplizierteste Sachverhalte in großer Schärfe gegeneinandergestellt, sagte Lammert am Freitag beim 2. Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München. Dort legte der CDU-Politiker den Römerbrief des Apostels aus. Der Text sei eine Ermunterung in Krisenzeiten – damals wie heute. Die heutige Welt sei ebenso unvollkommen wie die damalige, sagte Lammert. Er verwies unter anderem auf Kriege, Vertreibung, Hunger, Elend, Arbeitslosigkeit, Misshandlungen und Folter. Krisen in Gesellschaft und Kirche bezeichnete der Bundestagspräsident auch als Chance. (rv/pm)

Lehmann beklagt neuerliche „Irritationen“
Eine „neuerliche leichte Trübung“ im evangelisch-katholischen Verhältnis sieht der Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Beim Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) in München sagte er am Freitag, dass die Bevorzugung der Luther-Bibelübersetzung durch die evangelische Kirche sowie die vatikanische Erklärung zum katholischen Kirchenverständnis „Dominus Iesus“ aus dem Jahr 2000 seine Einschätzung bestätigen würden. Durch den erweiterten Gebrauch der vorkonziliaren Liturgie in der katholischen Kirche und der damit verbundenen Neufassung der Karfreitagsfürbitte für die Juden seien weitere Irritationen entstanden, so Lehmann. Nichtsdestotrotz hätten die Kirchen in Deutschland in den vergangenen 40 Jahren „beträchtliche Fortschritte“ erzielt. Als Beispiele nannte er Stellungnahmen zu den Themen Migration, Medien und bioethischen Fragen. (pm/kap/kna)

Maradiaga kritisiert Profitgier in Lateinamerika
Die Staaten Lateinamerikas brauchen nach Ansicht des honduranischen Kardinals Oscar Rodriguez Maradiaga neue Integrationsideen und ein anderes politisches Führungspersonal, um Frieden und Gerechtigkeit zu erreichen. Am Rande des ÖKT in München sagte der Kardinal am Donnerstagabend, die derzeitige politische Klasse in Lateinamerika wolle regieren, um sich zu bereichern. Ziele wie Gemeinwohl oder Gerechtigkeit seien ihnen gleichgültig. Er beklagte, dass etwa die Sozialenzyklika von Papst Benedikt XVI., „Caritas in veritate“, kaum rezipiert worden sei. Mit Blick auf Europa beklagte der Kardinal, die EU beachte Lateinamerika zu wenig. Der Subkontinent werde wieder als Vorgarten oder Hinterhof der USA gesehen. Aber in der Politik sei es wie im Fußball: Wer keine Tore erziele, fange sich Tore ein, und wer ein politisches Feld anderen überlasse, dem werde von dort die Politik diktiert. (pm/kna)

Interreligiöses Gebet
Können unterschiedliche Religionen gemeinsam beten? Ja, und sie sollen sogar, denn gemeinsames Beten macht gemeinsames Reden möglich. Darauf hat der Sekretär des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog, Chidi Denis Isizoh, auf dem Kirchentag in München verwiesen. Der Nigerianer hielt am Donnerstagabend einen Vortrag zum Thema „Multireligiöses Gebet – theologische und pastorale Chancen“. Unser Korrespondentin Antje Dechert hat danach mit ihm gesprochen:

„Gebet ist die Affirmation des Glaubens – wenn also Gläubige unterschiedlicher Religionen zusammenkommen, ist die Frage: Zu welchem Gott beten wir? Und für was beten wir? Das zweite Problem: Religiöse Sprachen und religiöse Symbole sind unterschiedlich, haben unterschiedliche Bedeutungen. Papst Johannes Paul II. hat uns in Assisi gezeigt, wie es gehen kann: Menschen verschiedener Religionen kommen zusammen und beten gemeinsam, zwar in jeweils eigener Form und zum jeweils eigenen Gott, aber gemeinsam. Interreligiöser Dialog ist ohne ein gemeinsames Gebt nicht möglich.“ (rv)

2. Ökumenischer Kirchentag in München

Papst zum Kirchentag: „Signal der Hoffnung“
Papst Benedikt XVI. hat sich in einem Grußwort an die Teilnehmer des 2. Ökumenischen Kirchentags, kurz ÖKT, in München gewandt. Mit Blick auf die Missbrauchsskandale rief er zur „Freude trotz aller Drangsal“ auf – trotz der „Wirrnisse dieser Zeit“. Es gebe „das Unkraut gerade auch mitten in der Kirche“, betonte Benedikt XVI. in einem Grußwort, das der Münchner Erzbischof Reinhard Marx am Mittwochabend bei der Eröffnung auf der Theresienwiese verlas.

Ökumenischer Kirchentag: Feierliche Eröffnung
„So eröffnen wir gemeinsam den zweiten Ökumenischen Kirchentag 2010 ‚Damit ihr Hoffnung habt’“: Etwas unsicher noch eröffneten am Mittwochabend Alois Glück für die katholischen Christen und Eckhard Nagel für die evangelischen Christen den Kirchentag in München, vielleicht ein Zeichen dafür, dass die Ökumene zwar weit gekommen, aber immer noch etwas unsicher ist. Das Wetter hielt stand und blieb trocken, die Stimmung war großartig, bei den Gottesdiensten ebenso wie beim Fest danach.

Zweieinhalb Monate nach ihrem Rücktritt vom Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland hat Margot Käßmann wieder die öffentliche Bühne betreten. Unmittelbar vor Beginn des 2. Ökumenischen Kirchentags präsentierte die 51-Jährige in einer Münchner Buchhandlung ihr neues Buch „Das große Du – Das Vaterunser“. In dem 84 Seiten schmalen Bändchen legt die Theologin das grundlegende christliche Gebet aus und ruft dazu auf, mehr zu beten. „Das Gebet kann den Menschen verändern. Gott hört auch unser Seufzen“, so Käßmann am Mittwoch vor rund 100 Zuhörern. (kipa)

Published in: on 14. Mai 2010 at 20:57  Comments (1)  

2. Ökumenischer Kirchentag in München

ÖKT: Marx und Friedrich beschwören Geist der Ökumene
Der Münchner Erzbischof Reinhard Marx beklagt in der Ökumene zu geringe Ansprüche auf Seiten der evangelischen Kirche. „Der evangelischen Seite scheint inzwischen statt sichtbarer Einheit die wechselseitige Anerkennung zu genügen. Das ist nicht unsere Vorstellung von Ökumene“, sagte Marx der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwoch). Mit Blick auf den 2. Ökumenischen Kirchentag, der am Abend in München beginnt, rief Marx Katholiken und Protestanten dazu auf, „mit Leidenschaft aufeinander zuzugehen“, ohne das Trennende zu übersehen. Zwischen katholischer und orthodoxer Seite sei das Gespräch über den Primat in der Kirche während des Pontifikats von Papst Benedikt XVI. weit vorankommen, fügte Marx hinzu. Dagegen herrsche zwischen Katholiken und Protestanten in der Amtsfrage „Stillstand“. Eine sichtbare Kirchengemeinschaft sei aber Voraussetzung für eine gemeinsame Eucharistiefeier. Der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich erklärte in demselben Interview, das Hauptproblem sei nicht das unterschiedliche Verständnis vom Primat des Papstes, sondern die Auffassung vom Bischofsamt. „Wenn wir uns da annähern könnten, dann wäre die Frage des Primates gar nicht mehr so schwierig“, sagte der bayerische Landesbischof. Er stehe zu seinem Vorschlag, den Papst als gemeinsamen Sprecher der Christenheit anzuerkennen. „Es täte der Christenheit einfach gut“, so Friedrich. Der Papst müsse dafür jedoch die evangelische Kirche anerkennen. (kna)

ÖKT: „Ein Hoffnungsstrahl“
Damit Ihr Hoffnung habt – unter diesem Motto startet an diesem Mittwochnachmittag der Zweite Ökumenische Kirchentag in München. Ein Hoffnungsstrahl soll ausgehen vom Ökumenischen Kirchentag – nach innen und nach außen. Das wünscht sich der Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Im Interview mit Radio Vatikan betonte er, der ÖKT sei vor allem für die katholische Kirche ein Chance, in der aktuellen Missbrauchskrise nicht im eigenen Jammer zu verharren, sondern die Misere konkret anzupacken.

„Eine Krise ist immer auch ein Wendepunkt. Und es wäre noch verheerender, wenn die Kirchen ihre Krisen, die sie immer wieder erlebt, nicht als Herausforderung des Heiligen Geistes sehen würde. Dann hätte sie noch einmal den Glauben verraten und die Hoffnung klein geschrieben. Insofern kann der ökumenische Kirchentag auch eine Ermutigung sein, das ganze Leben der Kirche anzuschauen und sich neu auf den Weg zu machen, so sehe ich es jedenfalls, und die Aufgabe der Kirche nicht zu vernachlässigen, die Hoffnung vor der ganzen Welt zu bezeugen und nicht nur an den eigenen Fortbestand und an den eigenen Problemen, sich zu orientieren.“

Der ÖKT in München sei ein wichtiger Schritt auf dem gemeinsamen Weg zur Einheit, so Marx weiter. Ökumene sei aber kein Koalitionsgespräch, wo es darum geht Überzeugungen aufzugeben, um einen Minimalkonsens zu finden, so der Erzbischof. Es sei heilsam, dass Kirchen miteinander streiten, um sich besser zu verstehen:

„Wir sind verpflichtet von Jesus selbst, alles zu tun, um das gemeinsame Zeugnis der Christen in dieser Welt voranzubringen und deswegen kann das überhaupt keine Nebensache sein, da wo wir aus eigener Schuld auseinander gegangen sind….Das zu überwinden durch Gebet und auch durch unsere Anstrengung, das ist eine Hauptsache, dass kann ich nicht zur Nebensache erklären.“

Ganz besonders freue er sich über das Grußwort des Papstes an den ÖKT, sagte Marx. Als Katholik freue es ihn, wenn auch bei der Muttergottes in Fatima für die Einheit der Christen gebetet wird. (rv)

ÖKT: Appell von Kirche und Politik
Kurz vor Beginn des Ökumenischen Kirchentages (ÖKT) haben die Spitzen von Staat und Kirchen in Deutschland die Nähe der christlichen Konfessionen hervorgehoben. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bezeichnete den „Weg des ökumenischen Miteinanders“ als „unumkehrbar“. Der amtierende Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, würdigte den ÖKT, der in München stattfinden wird, als wichtigen Impuls für das Verhältnis zwischen Protestanten und Katholiken. Bundespräsident Horst Köhler appellierte an den Willen der Kirchen zu weiterer Annäherung in der Abendmahlfrage.

In der Münchner Innenstadt findet am Mittwochabend nach dem Eröffnungsgottesdienst auf der Theresienwiese der „Abend der Begegnung“ statt. Dazu erhofft sich der Ordinariatsrat und ÖKT-Beauftragte des Erzbistums München-Freising, Armin Wouters, einen wichtigen Impuls für die kommenden Tage.

„Ich glaube, der Impuls kann von diesem Begegnungsabend dahin ausgehen, dass Christen tatkräftig in unseren Orten mithelfen. Wir brauchen aktive Menschen, die etwas anpacken wollen. Der Kirchentag insgesamt wird zeigen, dass Christen Menschen sind, die mit Verstand und Herz etwas bedenken und durchdenken. Sie tragen dazu bei, dass die Gesellschaft menschwürdig gestaltet wird.“

Linn Rother, Projektleiterin des „Abends der Begegnung“ in der Geschäftsstelle des 2. ÖKT, stellt uns das Treffen genauer vor.

„Die Besucher können an diesem Begegnungsabend mit einem ganz bunten Programm rechnen. Es soll nicht nur die Verpflegung im Vordergrund stehen, sondern vor allem das Vorstellen der eigenen Arbeit und Region. Die Jugendverbände präsentieren sich mit Mitmachaktionen. Der Besucher kann ganz lebensnah erfahren, wie kirchliche Arbeit heute aussehen kann.“ (kipa/rv)

Published in: on 12. Mai 2010 at 21:40  Schreibe einen Kommentar  

2. Ökumenischer Kirchentag in München

Zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag werden bis Sonntag in München mehr als 110.000 Dauerteilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet. Fest eingeplant ist die Teilnahme von Bundespräsident Horst Köhler sowie von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert. Auch mehrere Berliner Kabinettsmitglieder haben ihr Kommen zugesagt. Geplant sind fast 3.000 Veranstaltungen an 500 Orten zu den vier Themenschwerpunkten Wirtschafts- und Finanzkrise, Krieg und Frieden, interkultureller und interreligiöser Dialog sowie Kirchen und Ökumene. Einen in dieser Form einmaligen Kirchentagsgottesdienst gibt es am Freitagabend auf dem Odeonsplatz. 10.000 Mitfeiernde werden an 1.000 eigens dafür aufgestellten Biertischen Brot miteinander teilen, das zuvor bei einem orthodoxen Ritus gesegnet wurde. – Der 2. ÖKT in München steht unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Veranstaltet wird das Christentreffen wieder von dem in Bonn ansässigen Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und vom Deutschen Evangelischen Kirchentag (DEKT) mit Sitz in Fulda gemeinsam mit den gastgebenden Ortskirchen, also dem Erzbistum München und Freising und der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Evangelischer Präsident des ÖKT ist der Mediziner Eckhard Nagel, katholischer Präsident ist der frühere bayerische Landtagspräsident Alois Glück, der an der Spitze des ZdK steht. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) bezeichnete vor Beginn des 2. Ökumenischen Kirchentages junge Menschen als Motor der Ökumene. „Für junge Menschen ist Ökumene kein Aufreger, keine Frage von theologisch widerstreitenden Positionen. Für die meisten jungen Menschen ist Ökumene einfach selbstverständlich“, so der BDKJ-Bundesvorsitzende Dirk Tänzler am Montag in Düsseldorf. Für den BDKJ gelte die Ökumene-Haltung: „Wir wollen alles gemeinsam tun, was geht. Das was wir getrennt tun, müssen wir begründen.“ Der Magdeburger Bischof Gerhard Feige betonte zwar, die Kirchen seien „zu neuen Ufern aufgebrochen“. Es mangele jedoch an einer „konkreten Vision“, so Feige in einem Interview der katholischen Kirchenzeitung „Tag des Herrn“. Während die katholische Kirche eine sichtbare Einheit erst nach vorheriger Lösung zentraler Fragen anstrebe, favorisiere die evangelische Kirche zunehmend eine wechselseitige Anerkennung bei bleibenden Differenzen, so Feige, der Mitglied der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Der evangelische Theologe Friedrich Schorlemmer äußerte unterdessen mit Blick auf die Ökumene, er habe „die freundlichen Worte satt“ und verlangte Änderungen von katholischer Seite. Solange ausdrücklich ausgeschlossen sei, dass Katholiken der Einladung zum Abendmahl folgen können oder Protestanten der Einladung zur Eucharistie, bleibe er beim Begriff „Etikettenschwindel“ für die Ökumene, sagte Schorlemmer in einem Interview der Ulmer „Südwest Presse“ von diesem Dienstag. (kipa/kna)

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Published in: on 12. Mai 2010 at 21:24  Schreibe einen Kommentar