Diözesantag im Erzbistum Freiburg

Erzbischof Zollitsch beim Diözesantag in Freiburg

Der Glaube an Jesus Christus ist „nichts für Langweiler und Schlafmützen“. Das sagte Erzbischof Robert Zollitsch beim Diözesantag des Erzbistums Freiburg am Sonntag. Weiter fügte er im Freiburger Münster an, dass der Glaube dem eigenen Leben „Würze und Strahlkraft“ gebe. Der christliche Glaube baue auf, stifte Gemeinschaft und sei voller Dynamik, so Zollitsch. Christen dürften sich jedoch nicht mit dem derzeitigen Zustand abfinden und hinter der Zusage Jesu zurückzubleiben, erklärte der Erzbischof: „Jesus hat nicht gesagt: Ihr seid die Pessimisten der Welt, die Schwarzmaler und Bedenkenträger der Erde. Was wir als Christen sind und tun, ist nicht in unser Belieben gestellt, sondern uns vorgegeben: Salz der Erde und Licht der Welt. Das gilt es ernst zu nehmen.“ (pm)

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Published in: on 27. Juni 2010 at 19:17  Schreibe einen Kommentar  

Die Polizei ermitteln nun auch gegen Erzbischof Zollitsch

Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt gegen den Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch. Grund ist der Vorwurf der Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern. Zollitsch habe, so der Vorwurf, als damals zuständiger Personalreferent der Erzdiözese 1987 die Anstellung eines Paters in einer Gemeinde am Bodensee veranlasst. Dabei sei bekannt gewesen, dass es durch den Mann schon früher zu sexuellen Übergriffen gekommen sei. Das berichtet das Magazin „Report Mainz“ am Mittwoch. Das Erzbistum nannte die Vorwürfe „sensationsheischend“. Anzeigenerstatter ist ein mutmaßliches Opfer, das in den 1960er Jahren von dem Pater missbraucht worden sein soll. Das Erzbistum steht nach eigenem Bekunden im Kontakt mit der Staatsanwaltschaft, um die Substanzlosigkeit der Vorwürfe gegen Zollitsch zu dokumentieren. Das Ordinariat habe bereits in den letzten Monaten deutlich gemacht, dass es nach Bekanntwerden eines Vorwurfs 2006 gegen den Pater rasch gehandelt, den Orden des Paters eingeschaltet und auf die zu ziehenden Konsequenzen hingewiesen habe. Erst 2006 sei bekannt gewesen, dass es in den 1960er Jahren zumindest einen Fall von sexuellem Missbrauch bei der Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau gegeben habe. Zudem habe Zollitsch 1987 keinesfalls eine erneute Anstellung des Paters veranlasst, so das Erzbistum. Der heutige Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz habe also weder von den Vorwürfen aus den 1960er Jahren noch von einem erneuten Einsatz des Paters gewusst. Die Zisterzienserabtei Mehrerau, der der Pater offenbar angehört, untersteht ebenso wie die Wallfahrts- und Klosterkirche Birnau einem Abt. Eine solche Gebietsabtei gehört zu keinem Bistum und ist vom Ortsbischof unabhängig. (kna)

Published in: on 3. Juni 2010 at 17:10  Schreibe einen Kommentar  

Kirchliche Statistik 2009

Erzbischot Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

2009 sind 123.585 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Diese Zahl fasst die Kirchenaustritte in allen 27 deutschen Bistümern zusammen. Bei den Taufen hat es in 2009 einen leichten Rückgang gegeben, allerdings bleibt die Zahl mit rund 178.000 Taufen hoch. Gleichzeitig sind in den deutschen Bistümern fast 4.000 Eintritte in die katholische Kirche und rund 8.500 Wiederaufnahmen verzeichnet worden. Diese Zahlen sind erste Ergebnisse der Jahresstatistik der Deutschen Bischofskonferenz, die wie jedes Jahr im Sommer fertiggestellt werden wird. – Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sieht die Zahl der Austritte mit Sorge, warnt aber auch vor Übertreibungen: „Ich bin besorgt über die erneut hohe Kirchenaustrittszahl im Jahre 2009. Positiv ist, dass die Zahl im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich angestiegen ist.“ Gleichzeitig machten ihm die hohen Taufzahlen Mut, so Zollitsch. Sie zeugten von einer nach wie vor lebendigen Kirche. „Die Weichen für eine lebendige Zukunft müssen wir gemeinsam stellen, weshalb wir möglichst viele Gläubige dafür gewinnen wollen, weiter in der Kirche – trotz schwerer Zeiten – aktiv mitzuwirken“, so der Erzbischof. Wie das möglich sei, werde die Bischofskonferenz erörtern. (pm)

Ökumenischer Kirchentag in München

Ökumenischer Kirchentag zu Ende gegangen
In München ist am Sonntag der 2. Ökumenische Kirchentag zu Ende gegangen. Etwa 100.000 Menschen nahmen auf der Theresienwiese am Schlussgottesdienst teil. Die Organisatoren des Kirchentags riefen zu mehr gemeinsamem Engagement der Christen in der Gesellschaft und zu Reformen in den Kirchen auf. Dabei forderten sie in Sachen Mahlgemeinschaft der Kirchen neue Lösungen, vor allem mit Blick auf konfessionsgemischte Ehepaare.

Abschlussgottesdienst auf der Wies`n
Der katholische Kirchentags-Präsident Alois Glück sagte in dem Gottesdienst: „Wir müssen mutiger voranschreiten!“ Gerade in konfessionsverbindenden Ehen litten viele schmerzlich an der fehlenden Eucharistiegemeinschaft. „Wir brauchen hier dringend eine Lösung“, rief Glück aus. Unter Beifall betonte er zugleich: „Die Ökumene in Deutschland ist wetterfest“ – eine Anspielung auf das nasskalte Wetter auf der Wies`n.

Der evangelische Kirchentagspräsident Eckard Nagel betonte, durch das Münchener Großereignis habe die Ökumene in Deutschland ein neues Gesicht bekommen. Dazu gehöre die Tischgemeinschaft der getrennten Kirchen, wie sie am Freitagabend mit einer orthodoxen Mahlfeier praktiziert worden war. Christus fordere hier zu einem neuen, gemeinsamen Aufbruch auf. Zudem wandte er sich gegen „unrealistische Wachstumsversprechen“.

Glück sprach auch die aktuelle Lage der katholischen Kirche an und forderte einen neuen Aufbruch. Die Katholiken seien in einer schwierigen Situation zum Kirchentag gekommen. Durch die Missbrauchsfälle sei ihre Kirche „in einer schweren Vertrauenskrise“. Wörtlich erklärte Glück, der auch Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist: „Wir leiden an unserer Kirche, wir leiden mit unserer Kirche. Aber sie ist weiter unsere Kirche.“ Er hoffe, dass diese Krise zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Laien, Priestern und Bischöfen führe, so Glück.

„Viel spricht für einen 3. ÖKT“
Erzbischof Robert Zollitsch rief zu Dankbarkeit auf. Sie führe zu Gott und stärke die Gemeinschaft untereinander. Mit dieser Haltung werde man zu Christen, „deren Glaube ansteckt und überzeugt“. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz sagte wörtlich: „Dieses Hoffnungszeichen braucht unser Land, braucht Europa, braucht die Welt.“ Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland kritisierte, „wir gutsituierten Christenmenschen“ träumten nicht von der Umkehrung aller Verhältnisse, sondern „allenfalls von friedlicher Veränderung“. Hungernde sollten gesättigt werden, ohne dass die Reichen dafür hungerten, so Präses Nikolaus Schneider.

Die zwei gastgebenden Bischöfe zogen eine positive Bilanz des Ökumenischen Kirchentags. Der bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich sagte, er halte Fortschritte in der Frage des gemeinsamen Abendmahls für möglich. Der Münchner katholische Erzbischof Reinhard Marx zeigte sich besonders beeindruckt von der Freude, die vom ÖKT ausgehe. Zigtausende junge und alte Christen hätten sowohl Gottesdienste gefeiert als auch kritisch diskutiert. „Das macht Hoffnung“, so Marx wörtlich. Die Frage nach einem möglichen 3. Ökumenischen Kirchentag beantworteten sie zurückhaltend positiv. Friedrich erklärte, darüber wolle man bewusst erst nach den Erfahrungen des Münchner ÖKT reden. Er persönlich denke, „dass viel für einen 3. Ökumenischen Kirchentag spricht“. Marx betonte, die Verantwortlichen setzten sich demnächst zusammen, um Bilanz zu ziehen. „Danach sehen wir weiter“, so der Erzbischof.

Abseits vom offiziellen Programm: „Ökumenisches Abendmahl“
Der ÖKT stand unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“. Zu gut 3.000 Veranstaltungen kamen seit Mittwoch laut Organisatoren mehr als 130.000 Dauerteilnehmer und Zehntausende Tagesgäste. Am Samstag Abend demonstrierten Tausende von Christen mit einer Menschenkette zwischen den Bischofskirchen Münchens für Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten. Außerhalb des Kirchentagsprogramms haben rund 400 Christen am Samstagabend ein „ökumenisches Abendmahl“ gefeiert. Der Gottesdienst fand in einem überfüllten Hörsaal der Technischen Universität statt. (kna/kipa/rv)

Zollitsch: „Wir sind keine Konkurrenten“
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, verspricht sich vom Zweiten Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) einen Neuanfang. Es sei bei dem Treffen in München auch darum gegangen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Zollitsch am Wochenende in München. Unser Mann vor Ort, Pater Bernd Hagenkord, fragte Zollitsch, was ihn persönlich am meisten gefreut habe beim ÖKT. (rv)

Published in: on 16. Mai 2010 at 20:30  Comments (1)  

Drei Deutsche Bischöfe beim Papst

Papst Benedikt XVI. hat an diesem Donnerstag deutsche Bischöfe in Privataudienz empfangen. Das haben der Vatikan und die deutsche Bischofskonferenz bekannt gegeben. Beim Papst waren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, der Münchener Erzbischof Reinhard Marx und der Augsburger Weihbischof Anton Losinger. Anlass der Begegnung war die Bitte des Bischofs von Augsburg Walter Mixa um Entpflichtung vom Amt des Augsburger Diözesanbischofs und des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr. Die Entscheidung über die Annahme des Gesuches liegt bei Papst Benedikt XVI. Die Audienz hat um zwölf Uhr stattgefunden, es schloss sich ein gemeinsames Mittagessen an. Über den Inhalt der Unterredung wurde nichts bekannt. (rv/pm)

Erzbischof Marx, Erzbischof Zollitsch und Weihbischof Losinger bei Papst Benedikt XVI.

Published in: on 3. Mai 2010 at 10:53  Schreibe einen Kommentar  

Bischof Mixa hat dem Papst den Rücktritt von seinen Ämtern als Bischof von Augsburg und Militärbischof Deutschlands angeboten

„Bischof Dr. Walter Mixa hat dem Heiligen Vater den Verzicht auf das Amt des Bischofs von Augsburg und des Militärbischofs der Bundesrepublik Deutschland angeboten. Dieser schwere Schritt verdient Respekt. Wir, die Bischofskonferenz, stehen mit großer Achtung vor ihm, denn er hat damit von sich aus einen wichtigen Schritt getan.“

Mit diesen Worten hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, an diesem Donnerstagmittag in Bonn den Rücktritt Bischof Walter Mixas von seinen Ämtern bekannt gegeben. Ein Schritt, den viele Stimmen, auch aus der Politik, im Vorfeld gefordert hatten. Robert Zollitsch bezeichnete den Rücktritt seines Amtsbruders als „Verlust für unsere Bischofskonferenz“.

„Der Bischof von Augsburg möchte damit in der Diözese, in der Kirche von Augsburg einen Neuanfang ermöglichen. Und wir stehen mit großer Achtung vor dieser Entscheidung. Bischof Dr. Mixa hat sich auf vielfältige Weise bisher in die Deutsche Bischofkonferenz eingebracht. Sowohl in seiner Zeit als Bischof von Eichstätt von 1996 bis 2005, als auch seit 2005 als Bischof von Augsburg. Hier verdanken wir ihm sehr viel. Und das gilt es einfach und wirklich anzuerkennen. Er wird uns in dieser Weise auch fehlen in der Deutschen Bischofskonferenz.“

Anders, als die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx ihm zu bedenken gegeben hatten, habe sich Bischof Mixa nicht für eine Auszeit in geistlicher Einkehr entschieden. Das respektiere er, betonte der DBK-Vorsitzende nochmals, und erklärte weiter:

„Ich habe es nicht als Schuldeingeständnis verstanden. Ich sehe ganz klar, auch nach den Gesprächen, die ich mit ihm hatte, dass er die Möglichkeit schaffen will, dass in Augsburg ein Neuanfang gegeben ist.“

Den nun folgenden Verlauf, erklärt der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, gebe das Kirchenrecht vor:

„Das weitere Prozedere sieht folgendermaßen aus: Sie wissen, der Bischof von Augsburg hat einen Brief an den Papst geschrieben. Ist dieser im Vatikan eingegangen, wird der Papst das Rücktrittsgesuch zu einem bestimmten Zeitpunkt wahrscheinlich annehmen. Kirchenrechtlich ist es dann so, dass in dem Moment, wo der Amtsverzicht angenommen ist, das Domkapitel zusammentritt, um einen Diözesanadministrator zu wählen, der die Geschäfte übernimmt, bis durch das Bayernkonkordat ein neuer Bischof eingesetzt wird durch den Papst.“

Etwas anders liege die Sache bei der Neubesetzung der Position des Militärbischofs:

„Hier wird der Heilige Stuhl in einem Prozedere mit der Bundesregierung eine Person vorschlagen, wo die Bundesregierung dann zustimmt und der Papst schließlich den neuen Militärbischof ernennt. Würde jetzt diese Person eine „Person x“ sein, die kein deutscher Diözesanbischof ist, hätten wir einen 28. Bischof in Deutschland. Das Militärbischofsamt in Berlin ist eine eigene Einrichtung, wie ein Ordinariat, wie ein Generalvikariat in anderen Bistümern.“ (pm)

Published in: on 22. April 2010 at 19:05  Comments (5)  

Erzbischöfe legen Bischof Mixa eine Ruhepause nahe

Die Erzbischöfe Robert Zollitsch und Reinhard Marx haben dem Augsburger Bischof Walter Mixa eine Ruhepause nahe gelegt. Das sagte Zollitsch, der die Deutsche Bischofskonferenz leitet, am Mittwoch in Freiburg. Marx und er hätten in den letzten Tagen mehrfach mit Mixa gesprochen. Dabei hätten sie „mit ihm überlegt“, ob „eine Zeit der geistlichen Einkehr und der räumlichen Distanz hilfreich sein könnten, um eine Atmosphäre größerer Sachlichkeit bei den notwendigen und auch von ihm gewünschten Klärungen zu bewirken“. Mixa soll als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Gelder zweckentfremdet haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, Kinder eines Waisenhauses geschlagen zu haben. Mixa setzte derweil die Gespräche mit Verantwortlichen in seinem Bistum fort. Vor seiner Ordinariatskonferenz schilderte er jetzt seine Sicht der Dinge. Die von Mixa beauftragten externen Rechtsanwälte informierten die Ordinariatskonferenz umfassend über ihre Erkenntnisse. Die Konferenz wünscht nach Angaben des Bistums, dass die Vorwürfe gegen Bischof Mixa „lückenlos aufgeklärt“ werden. Bereits am Montag hatte der Augsburger Bischof die Bischöfliche Finanzkammer und eine Münchner Anwaltskanzlei beauftragt, die finanziellen Fragestellungen im Zusammenhang mit der Waisenhausstiftung in Schrobenhausen aufzuklären. Dabei sollten sie mit der Regierung von Oberbayern als der staatlichen Stiftungsaufsichtsbehörde zusammenarbeiten. (pm/kna)

Published in: on 21. April 2010 at 22:21  Schreibe einen Kommentar  

Diskussion um Bischof Mixa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und die Apostolische Nuntiatur in Berlin sind im Gespräch mit dem in der Öffentlichkeit in die Kritik geratenen Augsburger Bischof Walter Mixa. Das sagte Zollitsch am Samstag auf Nachfrage vor Journalisten in Frankfurt. Zollitsch betonte, er habe mit Mixa vereinbart, dass dieser alles ihm Mögliche tun werde, um zu einer Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beizutragen. Er sei sich sicher, so Zollitsch, dass Mixa dies auch tun werde. Dem Augsburger Bischof wird vorgeworfen, in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen Kinder in heftiger Weise körperlich gezüchtigt zu haben. Inzwischen hat Mixa indirekt eingeräumt, damals Kinder geohrfeigt zu haben. (kipa)

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Apostolischer Nuntius Erzbischof Jean-Claude Périsset (links) und Erzbischof Robert Zollitsch (rechts)

Published in: on 17. April 2010 at 20:23  Schreibe einen Kommentar  

Missbrauchsfälle in Deutschland

Radio Vatikan berichtet:

Einen Runden Tisch für alle gesellschaftlich relevanten Gruppen in Sachen Missbrauch: Das fordert der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Denn sexueller Missbrauch von Kindern sei „kein spezifisches Problem der katholischen Kirche“, erklärte Zollitsch in einem Interview der „Welt am Sonntag“. Auch wenn jedes Vergehen durch Priester ein besonders schlimmer Vertrauensbruch sei, sei Missbrauch ein gesamtgesellschaftliches Problem. Von den rund 15.000 Fällen, die pro Jahr in Deutschland staatsanwaltlich erfasst würden, spielten sich die wenigsten in einem kirchlichen Rahmen ab. Eine gesellschaftliche Debatte über die Verlängerung der Verjährungsfristen würde Zollitsch ausdrücklich begrüßen. Dabei müssten aber insbesondere die Anliegen der Opfer berücksichtigt werden. Über diese und andere Fragen werde er gerne auch mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger reden, nachdem diese inzwischen ja ihre Zweifel an der Rechtstreue der Kirche zurückgezogen habe. Eine Aufweichung des Beichtgeheimnisses lehnt Zollitsch in diesem Zusammenhang strikt ab. Er würde allerdings jedem Täter „intensiv zur Selbstanzeige raten“. Doch auch Opfer müssten sich weiterhin an die Kirche wenden können, ohne fürchten zu müssen, dass der Fall auch gegen ihren ausdrücklichen Willen vor Gericht komme. Mit Sorge beobachtet er, dass die Kirchen oft „vorschnell und pauschal“ attackiert würden. Natürlich blieben sie manchmal hinter ihrem sehr hohen moralischen Anspruch zurück. Aber manchmal habe er auch den Eindruck, dass mit der Kritik an der evangelischen und der katholischen Kirche eine gewisse Entlastungsfunktion verbunden sei. Man habe einen Sündenbock, auf den man einschlagen kann, und müsse sich dann nicht mit den eigenen Fehlern befassen, so Zollitsch. (kna/welt am sonntag)

Published in: on 28. Februar 2010 at 21:45  Schreibe einen Kommentar  

Ergebnisse der Vollversammlung der Deutschen Bischöfe

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Pressebericht anlässlich der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz am 25. Februar 2010 in Freiburg

Einleitung

1. Studientag „Die alternde Gesellschaft als Herausforderung für die Kirche”
2. „Der Dienst der Kirche im öffentlichen Leben Deutschlands” – Schwerpunktthema 2010/2011
3. Sexueller Missbrauch an Minderjährigen
4. Pastoral
Perspektiven des Projekts „Zeit zur Aussaat”
5. Geistliche Berufe und Dienste
Standortbestimmung und Perspektiven der Berufungspastoral
6. Gesellschaftliche und soziale Fragen
Der Dialog zwischen den Kirchen und der Europäischen Union
7. Wissenschaft und Kultur
Katholische Theologie an den Hochschulen
8. Weltkirche
Besuch von Gästen aus der Weltkirche
Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
9. Caritas
Ehemalige Heimkinder – Sachstand nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts
10. Personalien

Einleitung

Zum ersten Mal hat die Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Freiburg stattgefunden. Es waren erfüllte Tage, an denen wir eine umfangreiche Tagesordnung behandelt haben. Die wichtigsten Punkte stelle ich in diesem Bericht vor. Zuvor möchte ich aber noch einmal mein Bedauern über den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann, am gestrigen Tag ausdrücken. Ich kenne sie seit langem als einen Menschen, der bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ihre Entscheidung respektiere ich und wünsche ihr für die Zukunft Gottes Segen. Präses Nikolaus Schneider wünsche ich für die kommenden Monate viel Kraft für die kommissarische Leitung des Rates der EKD. Ich bin zuversichtlich, dass wir gut zusammenarbeiten werden, gerade auch mit Blick auf den Zweiten Ökumenischen Kirchentag in München.

I. Studientag „Die alternde Gesellschaft als Herausforderung für die Kirche”

Am Mittwoch hat sich die Vollversammlung im Rahmen eines Studientags mit Fragen der alternden Gesellschaft als Herausforderung für die Kirche befasst. Ausgehend von drei fachwissenschaftlichen Referaten sind Phänomen und Konsequenzen der alternden Gesellschaft, ihre Bedeutung für die Sendung der Kirche und als Herausforderung für die Caritas betrachtet worden. Schließlich haben wir erste Folgerungen für die zukünftige Arbeit der Bischofskonferenz gezogen.

Prof. Dr. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, beschrieb zunächst Phänomen und Konsequenzen der alternden Gesellschaft. Er betrachtete es als eine entscheidende Aufgabe von Gesellschaft, Kirche und Politik, zu differenzierten Altersbildern beizutragen. Vor diesem Hintergrund plädierte er für ein selbstverantwortliches und mitverantwortliches Leben im Alter. Ältere Menschen müssten aber auch vermehrt Verantwortung für die eigene Generation übernehmen; die Konsequenzen des demographischen Wandels dürften nicht einfach den nachfolgenden Generationen übertragen werden. Mit Blick auf die Pflegebedürftigkeit vieler alter Menschen müsse die Kirche in besonderer Weise vor Augen führen, dass auch das Leben in gesundheitlichen Grenzsituationen einen Teil der menschlichen Existenz darstelle. Insbesondere die zunehmende Prägung des Pflegealltags durch Demenzerkrankungen fordere einen öffentlichen Diskurs über die Menschenwürde, die dem Menschen auch bei schwerster Erkrankung nicht abgesprochen werden dürfe.

Mit der Sendung der Kirche im demographischen Wandel beschäftigte sich der zweite Vortrag von Prof. Dr. Isidor Baumgartner, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre und Caritaswissenschaften an der Universität Passau. Ausgehend von einem christlichen Altersbild zeigte er auf, dass Gesundheit und hohe Lebenserwartung zwar ein wertvolles Gut, aber kein existenzielles Letzt-Ziel darstellten, dem alles andere untergeordnet werden müsse. Mit Blick auf die sinkende Geburtenrate hob er die Unterstützung der Kirche für Eltern im Bereich der Betreuung und Bildung von Kindern positiv hervor. Kindertagesstätten seien sowohl unverzichtbare christliche Erfahrungsorte in der Kindheit als auch Begegnungsorte mit dem christlichen Glauben für kirchenferne Eltern. Er geht davon aus, dass in Zukunft die religiöse Pluralisierung und Individualisierung sowie die kirchliche Distanz auch in der älteren Generation zunehmen wird. Insofern müsse man auch der Generation der jungen Alten verstärkt missionarisch gegenübertreten. Mit dem Bild des „Mehrgenerationenhauses” verwies Professor Baumgartner auf die gesellschaftliche Notwendigkeit gelebter Solidarität zwischen den Generationen. Auch für die kirchlichen Gemeinden und die Caritas sei dieses Modell eines „Mehrgenerationenhauses” wegweisend.

Aus der Praxis berichtete der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Prälat Dr. Peter Neher. Eine besondere Herausforderung der kommenden Jahre werde es sein, alten Menschen ein Leben im gewohnten Umfeld zu ermöglichen. Dafür bedürfe es einer „Kultur der Achtsamkeit”, in der soziale Netzwerke Belastungen mittragen. Prälat Neher stellte verschiedene Initiativen der Caritas auf diesem Gebiet vor und berichtete über erste Erfahrungen. Besondere Aufmerksamkeit widmete er der Situation in der Pflege: Ein Großteil der Pflege werde nach wie vor im familiären Rahmen geleistet; dort sei eine stärkere Unterstützung der pflegenden Angehörigen erforderlich. Daneben wies er auch auf die Rahmenbedingungen für Altenpflegeheime hin, die im Spannungsfeld von bedarfsgerechter Pflege und großem Wettbewerbsdruck stünden. Diesem Spagat seien auch die Pflegenden ausgesetzt. Er unterstrich, dass die Verantwortung der Caritas auch im politischen Einsatz bestünde, z. B. für eine nachhaltige Reform der Pflegeversicherung. Die Kosten für eine menschenwürdige Pflege dürften nicht länger den kommenden Generationen überlassen werden.

In einer abschließenden Diskussion kristallisierten sich drei grundlegende Orientierungen für den kirchlichen Umgang mit den Herausforderungen des demographischen Wandels heraus: Erstens muss die Kirche ein differenziertes und geweitetes Altersbilder, das einerseits die Potentiale einer alternden Gesellschaft unterstreicht und andererseits um die Verletzlichkeit und Endlichkeit des Lebens weiß, verinnerlichen und in den öffentlichen Diskurs einbringen. Zweitens muss die Kirche in ihren Gemeinden und caritativen Einrichtungen Orte des Miteinanders der Generationen anbieten. In den politischen Prozess muss sie verstärkt Aspekte des inter- und intragenerationellen Gerechtigkeit einbringen: Das Verständnis der Generationen füreinander muss gestärkt werden, damit sich nicht einseitige Interessen durchsetzen, sondern das Gemeinwohl im Blick bleibt. Drittens ist die Pflege alter Menschen eine besondere Herausforderung für die Zukunft: Die steigende Pflegequote in hohem Alter, die wachsende Zahl Pflegbedürftiger, der Rückgang familiärer Pflegekapazitäten, der Rückgang des zur Verfügung stehenden Pflegepersonals, die Finanzierungsproblematik in der Pflegeversicherung und schließlich die unzureichende Auseinandersetzung des Einzelnen mit den existentiellen Fragen, die Pflege- und Hilfsbedürftigkeit an Patienten, Angehörige und Pflegende stellen: Dies alles bedarf dringend einer sachlichen und verantwortungsvollen gesellschaftlichen Diskussion. Gleiches gilt auch für die Problematik des Gesundheitswesens.

II. „Der Dienst der Kirche im öffentlichen Leben Deutschlands” – Schwerpunktthema 2010/2011

Wir haben für die kommenden zwei Jahre ein Schwerpunktthema festgelegt: „Der Dienst der Kirche im öffentlichen Leben Deutschlands”. Es dient der Sichtung und Überprüfung des Verhältnisses der Kirche zum gesellschaftlichen und staatlichen Leben in Deutschland. Beispielhaft werden wir Aktivitäten der Kirche in verschiedenen Handlungsfeldern, aktuelle Herausforderungen und langfristige Perspektiven erörtern. Der Kirche in Deutschland dient die Behandlung des Schwerpunktthemas zugleich als Vorbereitung auf die Erinnerungstage an das II. Vatikanische Konzil (Eröffnung 1962, Abschluss 1965), insbesondere als Vergegenwärtigung der Anliegen und Themen der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute. Sie nimmt in der Wirkungsgeschichte des Konzils eine besondere Stellung ein.
Das Schwerpunktthema verlangt eine Vergewisserung über „die Welt von heute” als Ort kirchlichen Wirkens. Wir wollen dabei der Pluralität möglicher Deutungen der gesellschaftlichen Gegenwart aus der Position des Glaubens Rechnung tragen. Die Überprüfung des öffentlichen Wirkens der Kirche schließt immer auch eine Klärung der Ressourcen ein, deren sie sich bedienen kann: also ihres geistlichen, geistigen und materiellen Vermögens. Dabei spielt eine Vertrauens- und Ansehensschwäche, die die Kirche derzeit in Deutschland erlebt, ohne Zweifel eine beachtliche Rolle. Beachtung verlangt zudem der besondere Einfluss des kulturellen Pluralismus in der deutschen Gegenwartsgesellschaft, der auch vor der Kirche nicht Halt macht und mit dem sich die Kirche auseinandersetzen muss, wenn sie über ihren Dienst in der Gesellschaft die gewünschte Klarheit gewinnen möchte. Eine Steuerungsgruppe zur Unterstützung des Vorsitzenden wird gebildet.

III. Sexueller Missbrauch an Minderjährigen

Die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Fälle sexuellen Missbrauchs haben uns tief erschüttert. Die Deutsche Bischofskonferenz hat durch verschiedene öffentliche Äußerungen umgehend reagiert. In meinem Eröffnungsstatement am Montag habe ich in aller Deutlichkeit gesagt, dass sexueller Missbrauch an Minderjährigen ein abscheuliches Verbrechen ist. Im Raum der Kirche wiegt der Missbrauch besonders schwer, weil es ein besonderes Vertrauen von Kindern und Jugendlichen in den Priester gibt. In den Beratungen der Vollversammlung ist unterstrichen worden: Es darf keinen Missbrauch geben, schon gar nicht im Raum der Kirche. Wir Bischöfe bitten um Entschuldigung für das erlittene Unrecht.

Während der Vollversammlung haben wir uns mit Experten beraten. Unter den Gästen war Prof. Dr. Norbert Leygraf. Er ist als forensischer Psychiater international anerkannt. Er hat aus psychiatrischer Sicht zur gegenwärtigen Debatte gesprochen. Bischof Dr. Felix Genn hat das Thema aus Sicht der Persönlichkeitsstärkung und der Prüfung der psychosexuellen Reife von Priesteramtskandidaten beleuchtet. Der Leiter der Schulstiftung des Erzbistums Freiburg, Dietfried Scherer, hat die Bischöfe über seine Erfahrungen im Bereich der Prävention unterrichtet. Dr. Manfred Lütz, Psychiater am Alexianer-Krankenhaus in Köln, berät die Deutsche Bischofskonferenz bereits seit längerem in Fragen des sexuellen Missbrauchs.

Wir sind zur lückenlosen Aufklärung dieses schweren Unrechts entschlossen. Die Öffentlichkeit und vor allem ihre Verantwortungsträger bitte ich, um fairen Umgang mit uns. Die falschen Behauptungen der Bundesjustizministerin am Montag dieser Woche in den ARD-Tagesthemen waren schwere Vorwürfe gegen uns. Die Ministerin hat die Rechtstreue der katholischen Kirche in Zweifel gezogen. Das wiegt im Rechtsstaat ganz besonders schwer. Deshalb habe ich eine Frist gesetzt. Wir stehen in Kontakt mit dem Ministerbüro. Die Bundesministerin hat heute brieflich reagiert. Ich begrüße die Entwicklung hin auf Verständigung und gehe von einem baldigen Gespräch aus.

Wie in jedem Jahr nach der Vollversammlung werde ich demnächst zu Gesprächen nach Rom fahren. Bei meinem Besuch des Papstes will ich die Thematik des sexuellen Missbrauchs ansprechen.

Wir haben das Thema sexueller Missbrauch an Minderjährigen ausführlich diskutiert. Ich bin dankbar, dass wir zum Abschluss der Vollversammlung in Freiburg eine gemeinsame Erklärung verfasst haben, die das weitere Vorgehen beschreibt. Diese Erklärung möchte ich Ihnen jetzt vortragen (s. Anlage).

IV. Pastoral

Perspektiven des Projekts „Zeit zur Aussaat”
Im Jahr 2000 hat die Deutsche Bischofskonferenz das Wort „Zeit zur Aussaat – Missionarisch Kirche sein” veröffentlicht. Mit ihm reagierte sie auf gesellschaftliche Entwicklungen in Deutschland: Menschen verschiedener sozialer, religiöser und kultureller Herkunft leben miteinander und bestimmen das Bild unserer Gesellschaft; volkskirchliche Strukturen gehen zurück, Glaube und Religion werden als Privatangelegenheit angesehen. Doch ist der Glaube nach unserer Auffassung keine Privatangelegenheit. Wer seine Kraft erlebt, will ihn auch anderen empfehlen. Dabei wendet sich die kirchliche Verkündigung an alle Menschen in vollem Respekt vor ihrer Freiheit. In diesem Sinn ist Mission ein „Grundwort kirchlichen Lebens” (Karl Lehmann).
Mit ihrem Wort „Zeit zur Aussaat” beschreiben die Bischöfe, was es bedeutet, in Deutschland eine missionarische Kirche zu sein. Wir haben u. a. mit der Gründung des „Instituts für Weltkirche und Mission” in Frankfurt a. M. (2009) und der „Katholischen Arbeitsstelle für missionarische Pastoral” (KAMP) in Erfurt (2010) sichtbare Zeichen gesetzt, wie sie den Grundanliegen dieses Wortes gerecht werden will. Zu den Projekten für die Zukunft zählen die Förderung und Weiterentwicklung von Initiativen zum Katechumenat (die Aufnahme Erwachsener in die Kirche) und Wiedereintritt, die Stärkung der Bibelpastoral, Katechese und spirituellen Bildung, der unverzichtbare Beitrag der katholischen Verbände bei der Gestaltung der neuen pastoralen Räume.

V. Geistliche Berufe und Dienste

Standortbestimmung und Perspektiven der Berufungspastoral
Papst Benedikt XVI. hat beim Abschluss des XX. Weltjugendtags in Köln zu neuen Impulsen in der Berufungspastoral aufgerufen. Vor diesem Hintergrund haben verschiedene (Erz)Bistümer ein „Jahr der Berufung” durchgeführt. Die Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste hat mit Unterstützung der bischöflichen Arbeitsstelle in Freiburg für die Pastoral der geistlichen Berufe und kirchlichen Dienste („Zentrum für Berufungspastoral”) in den vergangenen Jahren ebenfalls einige Projekte zur Vertiefung der Berufungspastoral angestoßen. In den letzten Jahren haben wir erkennen müssen, dass die Weckung geistlicher Berufe und der in diesem Anliegen eingeführte Weltgebetstag für Geistliche Berufe am 4. Sonntag der Osterzeit in den Pfarreien immer weniger Resonanz finden. Die Berufungspastoral ist ein schwieriges pastorales Feld, in dem die Früchte oft auszubleiben scheinen. Sie sollte verstärkt eine Grunddimension der Pastoral überhaupt und mit der Familien-, Jugend- und allen anderen Bereichen der Pastoral verbunden werden. Zur Sicherstellung längerfristiger Projekte in der Berufungspastoral bedarf es hauptamtlicher Priester und hauptberuflicher Laien, die sich ganz den Anliegen der Berufungspastoral widmen können.

VI. Gesellschaftliche und soziale Fragen

Der Dialog zwischen den Kirchen und der Europäischen Union
Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich im Zuge der Diskussion neuer rechtlicher Grundlagen der Europäischen Union vielfach mit dem Verhältnis zur Kirche befasst. In dem Vertrag von Lissabon wurde ein „Kirchenartikel” als Artikel 17 des Vertrags über die Arbeitsweise der Union eingefügt. Danach achtet die Union „den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten genießen und beeinträchtigt ihn nicht.” In seinem dritten Absatz verpflichtet Artikel 17 die Europäische Union, mit diesen Kirchen und Religionsgemeinschaften „in Anerkennung ihrer Identität und ihres besonderen Beitrags” einen „offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog” zu pflegen.
Der Dialog, den die EU mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften führen soll, kann bereits auf eine gewisse Tradition zurückschauen. Die Vertretung der EU-Bischofskonferenzen in Brüssel erarbeitet derzeit Vorschläge zur Ausgestaltung dieses Dialogs. Bisherige Überlegungen betreffen u. a. die Ausweitung der bisherigen Gesprächskontakte auf den neuen ständigen Präsidenten des Europäischen Rates sowie auf die Hohe Vertreterin der Union für Außen- und Sicherheitspolitik, die Ernennung zentraler Ansprechpartner beim Europäischen Parlament und im Generalsekretariat des Rates (analog zum Mitarbeiter beim Kommissionspräsidenten), die Festlegung einer Zuständigkeit eines der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments für die Koordination des Dialogs mit den Kirchen sowie konkrete Vorschläge für möglicher weitere Treffen zwischen Repräsentanten der EU und Kirchenvertretern.
Die konkreten Elemente des Dialogs müssen geeignet sein, die kirchlichen Anliegen möglichst effektiv in den europäischen politischen Prozess einzubringen. Die christlichen Kirchen haben aufgrund ihrer Größe und ihrer historisch gewachsenen Bedeutung eine besonders hervorgehobene Stellung in Europa. Auch die explizite Abhebung der Kirchen von den Religionsgemeinschaften im Vertragstext weist auf diesen Sachverhalt hin. Sowohl von der gesellschaftlichen Bedeutung als auch durch den inhaltlichen Beitrag erscheint es nicht sachgerecht, dass die EU nur einen Dialog gemeinsam mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften führt. Deshalb ist darauf zu achten, dass die christlichen Kirchen neben der jährlichen Gesprächsrunde unter Beteiligung verschiedener Religionen ausreichend Gelegenheit haben, ihre spezifischen Anliegen einzubringen.

VII. Wissenschaft und Kultur

Katholische Theologie an den Hochschulen
Die Vollversammlung hat sich mit den „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen” befasst, die der Wissenschaftsrat am 29. Januar 2010 beschlossen hat. Die Empfehlungen stärken die Katholische Theologie im Kreis der anderen Wissenschaften. Der Wissenschaftsrat begründet dies aus dem Blickwinkel von Staat, Gesellschaft, Universität und Kirche. Die Deutsche Bischofskonferenz begrüßt diese positive Perspektive. Die Empfehlungen nennen Stärken und Schwächen der Theologie. Vermehrter Anstrengungen bedürfen vor allem die interdisziplinäre Forschung und die Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses. Besonderes Gewicht hat das Votum der Empfehlung, die kirchliche Mitwirkung bei der Berufung von Theologieprofessoren transparenter zu gestalten. Die Forderung allerdings, die Kirche möge sich aus den Habilitationsverfahren zurück ziehen, können wir aus sachlichen und rechtlichen Gründen nicht nachvollziehen.
Der Wissenschaftsrat äußert sich in den Empfehlungen zur Katholischen und zur Evangelischen Theologie, zu den jüdischen und islamischen Studien sowie zur Religionswissenschaft und geht damit auf die wachsende Pluralität religiöser Bekenntnisse in Deutschland ein.
Die vom Wissenschaftsrat empfohlene stärkere akademische Verortung des Islam und die Ausbildung von islamischen Religionslehrern nach den in Deutschland verbindlichen Standards wird von der Vollversammlung unter den Aspekten der Religionsfreiheit grundsätzlich bejaht. Allerdings können die vom Wissenschaftsrat empfohlenen Beiräte allenfalls ein zeitlich befristetes Übergangsmodell für die rechtlich gebotene Mitwirkung islamischer Religionsgemeinschaften sein.

VIII. Weltkirche

Besuch von Gästen aus der Weltkirche
Während der Vollversammlung hatten wir erneut Besuch von Bischöfen der Weltkirche. Erzbischof Luiz Soares Vieira aus Brasilien, Erzbischof Jean Zerbo aus Mali und Bischof Paul Bùi Doc aus Vietnam haben uns über ihre Situation in den Heimatländern informiert.
Außerdem konnten wir den früheren Caritasdirektor von Haiti, P. Antoine Wilnès Tilus begrüßen. Er hat zusammen mit dem Vorsitzenden der Kommission Weltkirche, Erzbischof Dr. Ludwig Schick, bei einer Begegnung mit der Presse über die Folgen des katastrophalen Erdbebens auf Haiti berichtet. In Deutschland stellten direkt nach dem Erdbeben mehrere (Erz-)Diözesen größere Geldsummen als Soforthilfe für Haiti bereit. Die Katastrophenarbeit auf katholischer Ebene wird vom „Katholischen Arbeitskreis Not- und Katastrophenhilfe” koordiniert, in dem sich Hilfswerke, Orden und Diözesen zusammen geschlossen haben. Am 23. und 24. Januar 2010 fand eine Sonderkollekte statt. Das Endergebnis der Kollekte kann noch nicht beziffert werden. Aufgrund der vorliegenden Daten sind wir aber sicher, dass die Kollekte mindesten 7,5 Millionen Euro erbracht hat. Neben der kurzfristigen Hilfe ist in Haiti auch die langfristige Hilfe notwendig, um den Wiederaufbau des Landes voran zu bringen. Im März beginnt in Haiti die Regenzeit. Bis dahin brauchen die Überlebenden möglichst wasserfeste Unterkünfte und ein Minimum an sanitären Vorrichtungen. Vieles geschieht hier vor allem durch die Kirche. Die Vollversammlung hat den Bericht der Gäste aus der Weltkirche und die sehr gut koordinierte Hilfe der kirchlichen Hilfswerke mit großem Dank entgegen genommen.

Internationales Bischofstreffen im Heiligen Land
Der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Justitia et Pax, Bischof Dr. Stephan Ackermann, hat vom 8. bis 14. Januar 2010 am 10. Internationalen Bischofstreffen „Zur Solidarität mit den Christen im Heiligen Land” teilgenommen. In seinem Bericht ist uns über die Begegnungen mit Bischöfen aus acht Ländern Europas und Nordamerikas sowie den Repräsentanten der katholischen Kirche im Heiligen Land die dramatische Situation der christlichen Minderheit vor Augen geführt worden. Zwar hat der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Heiligen Land während des vergangenen Jahres neue Hoffnung und verstärkte Pilgerbesuche ausgelöst, dennoch bleibt die wirtschaftliche und politische Lage für viele Menschen hoffnungslos. Im Mittelpunkt der diesjährigen Beratungen stand die Entwicklung der Stadt Jerusalem, vor allem die israelische Siedlungstätigkeit, die eine Belastung für den Friedensprozess darstellt. Die deutschen Bischöfe werden in der Öffentlichkeit auch weiterhin auf die prekäre Lage der Christen im Nahen Osten aufmerksam machen und bei den Verantwortlichen der deutschen Politik den Einsatz für eine friedliche Lösung im Heiligen Land anmahnen.

IX. Caritas

Ehemalige Heimkinder – Sachstand nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts
Die Vollversammlung hat sich mit dem Zwischenbericht des „Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren” befasst. Der Zwischenbericht stellt eine Verständigung aller Mitglieder des Runden Tisches Heimerziehung – einschließlich der Betroffenen – auf gemeinsame Einschätzungen zu einer tragfähigen Bewertung der Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren dar. Er stellt eine Verantwortungsgemeinschaft für das Schicksal ehemaliger Heimkinder in der damaligen Zeit heraus: Es habe für jedes Heimkind zu jeder Zeit eine formal zuständige, verantwortliche Person beziehungsweise Institution gegeben. Die Tragik der damaligen Heimerziehung ist das Ergebnis zahlreicher Faktoren beschrieben, die von fragwürdigen Anlässen für eine Heimeinweisung über eine auf Führung, Kontrolle und Bestrafung basierende Erziehung bis hin zur mangelnden Aufsicht über die Heime reichten. Die Bischöfe drücken ihr tiefes Bedauern über die Beteiligung katholischer Einrichtungen an dieser negativen Seite der Heimerziehung aus.
Die Vollversammlung hat sich über vielfältige Initiativen im Bereich der katholischen Kirche mit dem Ziel der Entstigmatisierung und Rehabilitierung der Betroffenen informiert. Neben Bemühungen durch einzelne Träger und auf diözesaner Ebene ist besonders die im Januar 2010 frei geschaltete Service-Hotline für ehemalige Heimkinder aus katholischen Einrichtungen zu nennen. Die bundesweite Hotline bietet die Möglichkeit, sich zu persönlichen Fragen und Problemen in Bezug auf die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse in Heimen in Trägerschaft der katholischen Kirche in den 50er und 60er Jahren zu informieren und Beratung in Anspruch zu nehmen. Seit Schaltung der Hotline vor sechs Wochen hat es 243 telefonische Beratungsgespräche gegeben, die in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten dauern. Zumeist suchen die Anrufer Ansprechpartner, um ihre Erlebnisse aufzuarbeiten. Mehrfach wurden auch Therapieplätze vermittelt. Zudem bitten Anrufer darum, kirchliche Akten über ihren Heimaufenthalt einsehen zu können.

X. Personalien

* Bischof Dr. Franz Josef Bode (Osnabrück) wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 Vorsitzender der Pastoralkommission (III).
* Bischof Norbert Trelle (Hildesheim) wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 Vorsitzender der Migrationskommission (XIV).
* Weihbischof Dr. Bernhard Haßlberger (München-Freising) ist bis zur Herbst-Vollversammlung 2010 kommissarischer Vorsitzender der Jugendkommission (XII).
* Weihbischof Dr. Heiner Koch (Köln) wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 Beauftragter für die deutschsprachige Seelsorge im Ausland.
* Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen) wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 Mitglied der Kommission Weltkirche und Vorsitzender der Unterkommission für Kontakte zu Lateinamerika (insbesondere Adveniat).
* Prälat Dr. Klaus Krämer wird neben seinem Amt als Präsident des Internationalen Katholischen Missionswerkes MISSIO Aachen zusätzlich Präsident des Päpstlichen Missionswerks der Kinder in Deutschland e. V. (Kindermissionswerk „Die Sternsinger”). Die Amtszeit endet im Sommer 2013.
* Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg wird als künftiger Direktor der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle Mönchengladbach für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 zum Berater der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen berufen.
* Dr. Frank Ronge wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 zum Sekretär der Glaubenskommission (I), der Ökumenekommission (II), der Liturgiekommission (V), der Kommission für Erziehung und Schule (VII) und der Kommission für Wissenschaft und Kultur (VIII) gewählt. Er wird zugleich zum Leiter des Bereichs Glaube und Bildung im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz bestellt.
* Pfarrer Dr. Thomas Roddey wird für die laufende Amtsperiode bis zur Herbst-Vollversammlung 2011 zum Sekretär der Pastoralkommission (III), der Kommission für Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste (IV), der Kommission für Ehe und Familie (XI) und der Jugendkommission (XII) gewählt. Er wird zugleich zum Leiter des Bereichs Pastoral im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz bestellt.
* Prof. Dr. Ansgar Hense wird zum Leiter des Instituts für Staatskirchenrecht der Diözesen Deutschlands berufen. Die Amtszeit von fünf Jahren beginnt am 1. Oktober 2010.

Published in: on 26. Februar 2010 at 14:22  Schreibe einen Kommentar